Zwei-Wahrheiten-Lehre

Aus Mittelalter-Lexikon
Wechseln zu: Navigation, Suche

Zwei-Wahrheiten-Lehre. Von einigen scholastischen Denkern wurde die Lehre von den "Zwei Wahrheiten" vertreten, derzufolge zwischen einer "niederen", logischen (philosophischen) und einer "höheren", nicht notwenig logischen (theologischen) Wahrheit zu unterscheiden sei. Zu dieser Annahme waren sie aufgrund des Logik-Satzes vom Widerspruch gekommen, der im Gegensatz zu der göttlichen Allmacht stand. (So könnte man sich beispielsweise denken, dass Gott einen Stein derart schwer macht, dass es ihm nicht mehr möglich ist, ihn zu heben.) Um dem logischen Dilemma zu entgehen, postulierte man, dass für den Bereich der Theologie die Logik keine Geltung habe. Entgegen dieser Annahme, wie sie u.a. von Johannes Duns Scotus und Petrus Damiani vertreten wurde, bestand Hugo von St. Victor darauf, dass Gott das logisch Unmögliche nicht vermöge.
(Die Zwei-Wahrheiten-Lehre wurde auf dem 5. Laterankonzil von 1513 verworfen.)
(s. Siger von Brabant