Ableitung der Körpersäfte

Aus Mittelalter-Lexikon
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Ableitung der Körpersäfte. Therapeutische Methoden, um – gemäß der Theorie der ®Säftelehre – krankmachende oder überschüssige Substanzen ("materiae peccantes") zusammen mit Körpersäften aus dem Organismus auszuscheiden (abzuleiten), und so die Eukrasie, die rechte Mischung der Körpersäfte, wiederherzustellen. Als Maßnahmen in diesem Sinn kannte man:

  1. Beachtung der rechten Lebensführung (s. Diätetik)
  2. die "Reinigung nach unten" (s. Klistier, Purgieren)
  3. Brechmittel zur "Reinigung nach oben" (Morphin, Apomorphin, Digitalisglykoside enthaltende Kräuter und Wurzeln)
  4. ®niesen (s. Nase, Nieswurz, weiße)
  5. Harntreibende Mittel (Diuretika wie Wacholderbeeren [Fructus Juniperi], Liebstöckelwurzel [Radix Levistici], Hauhechelwurzel [Radix Ononidis])
  6. Schweißtreibende Mittel (z.B. Gottesgerichtsbohne [enthält das Alkaloid Physostigmin]) und physikal. Anwendungen (Schwitzbad, Frottieren, Einpacken in warme Tücher)
  7. ®Aderlass
  8. ®Schröpfen
  9. Ansetzen von ®Blutegeln
  10. Künstliche Anregung oder Inganghaltung der Eiterproduktion (Durch in Wunden eingelegte Fremdkörper [z.B. Haarseil], durch Kauterisieren [s. Brennen] oder Ätzen [etwa mit Säure, Kupfersulfat, Quecksilber-II-Chlorid, Bienengift, Arsenik])

(s. Purgantia, purgieren)