Alfons von Kastilien

Aus Mittelalter-Lexikon
Wechseln zu: Navigation, Suche

Alfons X. ("Der Weise", span. el Sabio; 1221 - 84). König von Kastilien und Leon (1252 - 82). Wurde 1257 während des ®Interregnums zum deutschen König und zum Kaiser gewählt, kam jedoch nie ins Reich, um seine Herrschaft tatsächlich auszuüben – zu sehr war er im eigenen Land mit der Bekämpfung der Mauren, mit dem aufsässigen Adel und mit Thronfolgestreitigkeiten beschäftigt. Nach der Wahl ®Rudolfs von Habsburg (1273) musste er auf seine dt. Titel verzichten.
Den Beinamen "der Weise" verdiente Alfons zurecht aufgrund seiner Verdienste um Literatur, Wissenschaft und Rechtsprechung. Er veranlasste die Übersetzung arab. und hebräischer Schriften über Astronomie und Astrologie, die Aufstellung der ®"Alfonsinischen Tafeln" (eines astronom. Tabellenwerkes), die erste offizielle Geschichtsschreibung Spaniens („Primera Cronica General“, „General Estoria“) und die Verwendung des Kastilischen als Schriftsprache anstelle des Lateinischen. Ohne sein Bemühen um die Nutzbarmachung arabischer Quellen wäre das abendländische Geistesleben wesentlich ärmer geblieben. Seine über 400 Marienlieder („Cantigas“) in galizischer Sprache weisen ihn zudem als begabten Lyriker aus. Sein juristisches Hauptwerk ist die vom Röm. Recht beeinflusste „Siete Partidas“.
(s. Buch der Spiele, Übersetzerschule von Toledo)