Ars moriendi

Aus Mittelalter-Lexikon
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Ars moriendi (lat., = Lehre vom [heilsamen] Sterben). Ma. Literaturgattung, die sich zu Beginn des 15. Jh. unter dem Eindruck des Großen Sterbens (der Pest) bildete. Diese "Sterbebüchlein" erschienen zunächst als lateinische Ausgaben für Priester, später auch als volkssprachliche, meist mit Holzschnitten und Kupferstichen illustrierte Ausgaben für Laien, und stellten Sammlungen lehrhafter und erbaulicher Traktate zum christlichen Sterben dar. Sie ermahnen zu Beichte und Reue, zum Empfang der Sakramente, zur demütigen Annahme des ®Sterbens, zum Dank für die im Leben genossene Liebe Gottes und zur Abstandnahme von weltlichen Sorgen und Verführungen. Außerdem sind Sterbegebete aufgeführt sowie praktische Hinweise zum Umgang mit dem Sterbenden. Am bekanntesten war das Sterbebüchlein des ®Johannes Gerson („Opus tripartitum de praeceptis decalogi, de confessione et de arte moriendi“, 1408) und das darauf aufbauende "Speculum artis bene moriendi" des Magisters und Rektors an der Wiener Universität, ®Nikolaus von Dinkelsbühl (um 1360 - 1433). Bemerkemnswerte Werkbeispiele stammen von Matthäus von Krakau (gest. 1410), Johannes Nyder (gest. 1438), Domenico Capranica (gest. 1458) und Jacob von Jüterbog (gest. 1465). Eine besondere Variante der Gattung stellt das Wechselgespräch zwischen Mensch und Tod dar, das ®Johannes von Saaz in scholastischer Manier unter dem Titel „Ackermann von Böhmen“ verfasst hat.