Asthma

Aus Mittelalter-Lexikon
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Asthma (lat. passio asthmatis; wiss. Asthma bronchiale bzw. A. cardiale; Lehnwort des 16. Jh. v. grch. asthma = Atemnot; mhd. lungesiech, herzstech, herzspann usw.; mlat. orthopnoea). Anfallsweise auftretende hochgradige Atemnot aufgrund einer Verengung der Atemwege („Bronchialasthma“) oder einer Herzschwäche („Cardialasthma“).
Unter der Bezeichnung wurde bis in die Neuzeit keine eigene Krankheit verstanden, sie stand vielmehr für ein eher verschwommenes Symptomenbild von Atemnot, Hustenanfällen, vermehrter Bronchial-Schleimbildung, Engegefühl in der Brust, Herzbeschwerden, pfeifendem Atemgeräusch und Angstzustände.
Schon bei Hippokrates (4./5. Jh. v.u.Z.) findet sich eine Beschreibung der Krankheitserscheinungen. Er begründete sie damit, dass die Atemwege durch Schleim verstopft seien, der aus dem Gehirn dorthin gelangt sei. - Dioskurides (1. Jh. u.Z.) empfahl zur Stillung des Hustenreizes und zur Förderung des Auswurfs Zubereitungen aus ®Thymian.
Die erste bekannte Monographie zu der Krankheit stammt von Moses Maimonides und erschien um 1190 unter dem latinisierten Namen „Tractatus contra passionem asthmatis“ Darin gibt der Autor eine Beschreibung des Asthmaanfalls, sowie Ratschläge zur Behandlung unter besonderer Berücksichtigung vorbeugender Maßnahmen der Hygiene und Diätetik.
In dem Heilkräuter-Gedicht „Macer Floridus“ (um 1000) wird Plantago (Wegerich) „als Gemüse gekocht und gegessen“ zur Behandlung empfohlen, desgleichen eine Abkochung von Möhren (Pastinacae) in Milch, ein Trunk von Osterluzei (Aristolochia), ein Sud von Andorn und Schwertlilie oder einer von Melisse mit Salz. Hildegard von Bingen (12. Jh.) sieht die Ursache der Krankheit in einem Überschuss an üblen Säften, die „nicht bis zum Gehirn aufsteigen können, in der Luftröhre hängen bleiben …, so dass solche Menschen nur mühsam ausatmen können. … Daher steigt die Lunge nach der Kehle hin auf und verlegt den Zugang zum Atem, so dass der Mensch kaum ausatmen kann.“
Der Arzt Johannes Platearius (12. Jh.) erklärt die verschiedenen Arten der Krankheit durch übermäßige Trockenheit oder Nässe; im ersten Fall könne sich die Lunge nicht frei erweitern und zusammenziehen, im Letzteren würde die Lunge durch die Last der Feuchte zusammengepresst, was zu einem ähnlichen Krankheitsbild führe. Zur Behandlung benutzte man krampflösende Kräuterpräparate, so von Efeu, Thymian und Weißdorn, sowie Allheilmittel wie Bolus Armenicus, aber auch Räucherungen der Wohnräume mit Schwefeldämpfen (Fumigationes Sulphuris).
Von Berufs wegen besonders gefährdet waren Handwerker, bei deren Tätigkeit Staub oder Rauch entstand, also Müller und Bäcker, Stein- und Holzbearbeiter, Bergleute, Hüttenarbeiter, Glas- und Sandmacher.
(s. Berufskrankheiten, Husten, Staublunge, Umweltprobleme)