Bürstenbinder

Aus Mittelalter-Lexikon
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Bürstenbinder (Bürstenmacher; mhd. pürstenpinter; v. mhd. bürste = aus Borsten Gemachtes). Zwar waren Bürsten schon früher bekannt (Abbildung im Sachsenspiegel), doch war die Bürstenmacherei bis ins SMA. Sache des Hauswerks. Das "geschenkte" Handwerk (s. Messerer) der Bürstenbinder ist erst im SMA. in Erscheinung getreten (z.B. in Nürnberg um 1400). Bürstenbinder wurden den handelnden Handwerken zugerechnet, d.h. sie vertrieben ihre Ware selbst oder ließen sie durch Hausierer verhökern. Die Produktpalette umfasste u.a. Kehr-, Kleider-, Schlicht- und Tuchbereiterbürsten sowie Bader- bzw. Massagebürsten und grobe Pinsel für Anstreicherarbeiten. Wichtigstes Ausgangsmaterial für die Besteckung eines Bürsten- bzw. Pinselkopfes waren Borsten von der Rückenpartie von Schweinen, die vom nächsten Metzger bezogen wurden. (Schweineborsten haben den Vorzug, dass ihre Spitzen in mehrere Enden aufgespalten sind, dass sie also eine größere Oberfläche haben und mehr Farbe aufnehmen können.) Daneben wurden Schwanz- und Mähnenhaare von Pferden, Schwanzhaare von Rindern und Eichhörnchen sowie Fellhaare von Ziege und Dachs verarbeitet. Zu den Arbeiten einer Bürstenbinderwerkstatt gehörten das Säubern, Sortieren und Ablängen der Borsten bzw.Haare, das Zurichten und An- bzw. Durchbohren der Bürstenhölzer sowie das Einpichen der Borstenbündel in den Löchern des Bürstenbretts mit heißem Pech bzw. das Einbinden mit Zwirn oder Draht.
Das "Deutsche Pinsel- zbd Bürstenmuseum" (91572 Bechhofen an der Heide) gibt umfassende Information zu Geschichte und Technik der Bürsten- und Pinselherstellung.)
(s. Pinsel)