Bispel

Aus Mittelalter-Lexikon
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Bispel (mhd. bispel, bispil, aus bi = bei und spel = Erzählung; weitergebildet zu Beispiel). Kurzes Lehrgedicht in Reimpaaren, bestehend aus einer knapp und sachlich gehaltenen Erzählung und einer ausführlichen Deutung (Moral). Es îst eher der didaktischen als der erzählenden Dichtung zuzurechnen und soll beim Leser (Zuhörer) moralische Besserung durch Einsicht bewirken. Die dualistische Form dürfte in Anlehnung an biblische Gleichnisse entstanden sein. Bispelhafte Erzählungen erscheinen häufig in Gestalt einer Tierfabel, andere kreisen um das Thema Frau und Minne und werden häufig mit einem kleinen Naturbild eingeleitet, wieder andere behandeln Gegenstände wie Habgier und Geiz, Ungleichheit der Stände, menschliche Torheiten oder guten bzw. schlechten Rat.
Eng verwandt sind ®exemplum und ®Fabel. Bedeutende Vertreter waren ®Stricker, ®Hugo von Trimberg, ®Heinrich der Teichner und ®Thomasin von Zerclaere.
Als Beispiel sei das Lehrgedicht "Frauenehre" des Stricker genannt, das in der ersten Hälfte des 13. Jh. in Niederösterreich entstanden ist und sich an die höfische Gesellschaft richtet. Darin wird der Niedergang ritterlicher Tugenden beklagt, vor allem jener in der rechten Minne. Die ältesten Fassungen der Frauenehre sind in der Wiener Handschrift 2705 und im "Ambraser Heldenbuch" erhalten.