Bologna

Aus Mittelalter-Lexikon
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Bologna. Stadt in Norditalien, am Fuß des Apennins gelegen, von großer strategischer Bedeutung wegen ihrer beherrschenden Lage zu den Apenninpässen. Im 6. Jh. Teil des byzantin. Exarchats von Ravenna, danach des Langobardenreiches, seit 753 dem Kirchenstaat zugehörig (Schenkung Pippins d. Kurzen, bestätigt 774 durch Karl d. Gr.). 1112 wurde Bologna in den Rang einer freien Stadt erhoben und trat dem lombardischen Städtebund bei. Im Kampf zwischen Kaiser und Papst wechselte die Stadt mehrfach die Seiten. Der Ruhm der Stadt beruht auf seiner Universität, die – gegründet 1119 – als eine der ältesten Europas gilt. Sie geht auf die um 1100 durch ®Irnerius eingerichtete Glossatorenschule zurück, erhielt 1158 von Friedrich I. Barbarossa Privilegien, welche Lehrer und Studenten von der weltl. Gewalt befreiten, wurde etwa zur gleichen Zeit um die Artistenfakultät (studium generale) und im 13. Jh. um die medizin. Fakultät erweitert. Um 1140 verfasste hier der Kamaldulensermönch Magister Gratianus seine "Concordantia discordantium canonum" (®Decretum Gratiani), und schuf damit die Grundlage des ®kanonischen Rechts. Bologna wurde so zum Geburtsort der romanistischen wie der kanonistischen Rechtswissenschaften in Europa. Die Universitätsbibliothek galt mit ihren ca. 5.000 Codices zu den bedeutendsten im Abendland. Für die Zeit von 1268 bis 1562 sind die Namen von 4.368 Deutschen überliefert, die in Bologna die Rechte studiert haben, es dürften jedoch wesentlich mehr gewesen sein. Ein abgeschlossenes Studium dauerte ca. sieben Jahre; es war sehr teuer und von daher Studenten aus reichem Haus vorbehalten.