Destillation

Aus Mittelalter-Lexikon
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Destillation (von lat. destillare = herabtropfen) heißt ein thermisches Verfahren zum Reinigen von Flüssigkeiten von unerwünschten beimengungen und zum Trennen von Flüssigkeiten verschiedenen Siedepunkts. Die Technik war bereits vor der Zeitenwende griechischen und arabischen Wissenschaftlern bekannt, wurde vielfach zur Herstellung von Duftstoffen verwendet und gelangte im 11./12. Jh. – wahrscheinlich über die Schule von Salerno – nach Europa. (Ein "Magister Salernus" schildert um 1160 in seinen Schriften die Herstellung von aqua ardens aus Wein. - Albertus Magnus (1193 - 1280) beschreibt die Konstruktion einer Destillier-Apparatur und die Destillation von Wein: "Wenn Wein sublimiert wird wie Rosenwasser, ergibt sich eine leichte, brennbare Flüssigkeit.")
Eine Destilliereinrichtung bestand aus dem Ofen (athanor), dem Destillierkolben (Marienbad; auch cucurbita, der Kürbisform wegen), dem helmförmigen Kühlgefäß (alembik, dephlegmator, rosenhuet) und dem Auffanggefäß (der Vorlage; receptaculum, phiol). Der gemauerte Ofen wurde mit Holz oder Holzkohle geheizt. Um den Destillierkolben nicht zu überhitzen, stand er in einem Sandbett oder Wasserbad. Der Kolben bestand aus Steingut, hitzebständige Glaskolben wurden erst später entwickelt. Über den Hals des Destillierkolbens war der kuppelartige Kühler aus Metall oder Ton gestülpt, aus dem ein Rohr oder mehrere Rohre das Kondensat zur Vorlage leiteten. (Der Rückstand im Kolben hieß caput mortuum, "das Totgebrannte".) Zum Aufkitten („verlutieren“, v. lat lutum = Lehm) des Destillationshelms auf den Kolben verwendete man einen lehmartigen Brei ("lutum sapientiae"), bestehend aus einer Mischung von Pferdedung, Ziegelmehl, Wasser und Eiweiß. Damit wurden auch Kolben und Retorten zum Schutz vor dem Zerspringen und zur Wärmedämmung bestrichen. Im 12. und 13. Jh. wurde die Apparatur – durch die Übernahme wiederum arabischer Kenntnisse (z.B. der Wasserkühlung) – weiter verfeinert und erlaubte nunmehr die Herstellung höherprozentiger Alkohole. Als prominente Beispiele von Destillation seien die von ® Parfüms und die von ®Branntwein aus Wein genannt („opere alkimico“) genannt. Zu ersterer hatte der muslimische Philosoph al-Kindi ein Werk mit dem Titel "Das Buch der Parfümherstellung und der Destillation hinterlassen, bei der letzteren wird bei einer Temperatur zwischen der Siedetemperatur des Alkohols und der des Wassers der niedrigersiedende Alkohol überdestilliert. Das Ergebnis siebenfacher Destillation bezeichnete man als "perfecta" (aqua), das zehnfacher Destillation als "perfectissima" (aqua). (Das Verfahren war in Italien seit der Mitte des 12. Jh. bekannt und wurde im 13. Jh. von dem Florentiner Arzt Thaddaeus Alderotti beschrieben.) Die Destillation von Essig- und Salpetersäure war schon um 800 von Geber (s. Djabir ibn Hajjan) beschrieben worden. Um 1300 gelang auch in Europa die Destillation von Salpetersäure ("Scheidewasser"). Frühe abendländ. Anleitungen zur Destillation stammen von Raimundus Lullus („Testamentum Novissimum“), Albertus Magnus („De secretis mulierum“), Arnaldus de Villanova („Liber de Vinis“) und Thaddaeus Alderotti von Florenz („De virtutubis Aquae Vitae“); einen Meilenstein in der Geschichte der Destillationskunst markiert die Schrift „De consideratione quintae essentiae“ des Johann von Rupescissa (Jean de Roquetaillade, aus Katalanien stammender Minorit, gest. um 1365/66), die auch ins Deutsche übersetzt wurde.
Geber nennt auch eine Art Destillation ohne Wärmezufuhr, die „destillatio per filtrum“. Hierbei wurde in die zu reinigende Flüssigkeit ein Stofflappen gelegt, der über den Gefäßrand hinaushing; Kapillarkräfte bewirken, dass die vom Lappen aufgesaugte Flüssigkeit emporstieg und über den Gefäßrand in einen untergesetzten Topf tropfte.
(Rosenöl s. Rose)