Fronleichnamsfest

Aus Mittelalter-Lexikon
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Fronleichnamsfest (mhd. vronlichnam = Leib des Herrn; auch gotzleichnam; lat. Corpus Christi). Das Fest im Gedenken des letzten Abendmahls und zur Feier der Hostie als dem wahren Leib des Herrn ("Festum corporis") geht auf eine Vision der Augustiner-Chorfrau Juliana von Lüttich im Jahre 1209 zurück, und wurde 1246 zum ersten Mal in Lüttich begangen. Papst Urban IV. bestimmte 1264 (unter dem Eindruck eines ®"Blutwunders") den ersten Donnerstag nach der Pfingstwoche zum Festtag. Papst Johannes XXII. verschaffte der Feier 1317 allgemeine Geltung.
Das Fest ist als liturgischer Ausdruck gesteigerter Sakramentsfrömmigkeit im 13. und 14. Jh. anzusehen, und wäre ohne das Transsubstantiationsdogma von 1215 kaum denkbar. (Bei der "Wesensverwandlung" wird – dem Dogma zufolge – Christus in Brot und Wein jeweils ganz und ungeteilt, als Gottheit und Mensch, gegenwärtig.) Thomas von Aquin schrieb die Texte für die Messe des neuen Festes. Noch im HMA. kam die Fronleichnamsprozession auf (Köln 1279, Augsburg 1305, Wien 1334), die besonders in Deutschland mit Flurumgang und ®Erntesegen verbunden war. Auf dem feierlichen Umzug wurde das allerhöchste Brot, das "Allerheiligste" in dem mit einem goldenen Strahlenkranz verzierten Schaugefäß (der Monstranz) mitgeführt und von Reliquienschreinen und anderen tragbaren Kirchenschätzen begleitet, ferner von Traghimmeln, Stangenkerzen, Standarten, Pfeifern, Trommlern und einer großen Menge festlich gekleideten Volks, nach Ständen, Ämtern und Zünften geordnet.
Im SMA. entwickelte sich der Brauch des ®Fronleichnamsspiels.