Fulda (Kloster)

Aus Mittelalter-Lexikon
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Fulda. In einem von Bergkuppen umrahmten Talbecken, an der Stelle eines fränk. Königshofes, gründete 744 der Benediktinermönch Sturmius im Auftrag des hl. Bonifatius die Abtei Fulda (genannt nach dem gleichnamigen Quellfluss der Weser), um von hier aus die Sachsenmission zu intensivieren und Kulturarbeit zu leisten. Nach dem Märtyrertod des Bonifaz in Friesland (754) wurde sein Leichnam nach Fulda überführt und in der Krypta der Klosterbasilika beigesetzt, die schon bald zu einem vielbesuchten Wallfahrtsziel wurde und zu großem Reichtum kam. Unter den Äbten Baugulf und Ratgar entstand 791 bis 819 an der Stelle des heutigen Domes die größte Basilika nördl. der Alpen (219 m lang). Im 9. Jh. entwickelte sich Fulda zu einem der bedeutendsten geistigen Zentren Europas, auch nach der Zahl der Mönche zur größten Abtei im Reich (zu seiner Blütezeit bestand der Konvent aus 400 Mönchen). In unmittelbarer Nachbarschaft der Abtei wuchs eine Siedlung, der 1019 das Marktrecht und 1157 das Stadtrecht verliehen wurde. Auf der die Abtei umgebenden Hügeln entstanden in Kreuzesform die vier Klöster Frauenberg, Petersberg, Neuenberg und Johannesberg. Vom Petersberger Ursprungsbau - geweiht 836 - ist noch die Krypta erhalten, in deren Quergang die hl. Lioba, die Missionsgefährtin des hl. Bonifatius, bis zur Erhebung ihrer Gebeine in einem Sarkophag beigesetzt war.
Aus dem Fuldaer Konvent gingen vom 9. bis zum frühen 11. Jh. allein sieben Mainzer Erzbischöfe hervor. Nach der Erhebung der Abtei Fulda zum Reichskloster durch Friedrich II. (1224) gehörten die Fuldaer Äbte dem Fürstenstand an. Sie herrschten außer über ihren Klosterstaat über ein riesiges Territorium. Das Kloster wurde berühmt durch seine Bibliothek, seine Malschule, sein Kunsthandwerk und seine Klosterschule. Im Fuldaer Skriptorium entstanden die deutschsprachigen Niederschriften des Hildebrandsliedes, des Krist und des Heliand, hier wurde der Grund für eine dt. Schriftsprache gelegt. Als fünfter Abt wirkte ®Hrabanus Maurus (822 - 44 Abt), dessen Schüler ®Einhard, ®Otfried von Weißenburg und ®Walahfrid Strabo zu großem Ruhm gelangten.
An ma. Bauten Fuldas sind zu nennen: die Krypta der Propsteikirche St. Michael (als Rest der karoling. Rundkirche von 820, älteste noch bestehende Nachbildung der Jerusalemer Grabeskirche in Deutschland), die Propsteikirche St. Peter (Grabeskirche der Hl. Lioba, von Hrabanus Maurus 836 geweiht; älteste Wandmalereien des dt. MA. in der Krypta) und die Propsteikirche St. Andreas (geweiht 1023, Krypta mit Fresken von 1025).