Heidentum

Aus Mittelalter-Lexikon
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Heidentum (v. mhd. heiden, ahd, heidano; ein in der Wildnis, der Heide lebender unzivilisierbarer, unbekehrter Mensch; lat. paganus, mlat. homo infidelis). Als außerhalb des göttlichen Heils stehend wurden im MA. alle Nichtchristen und Nichtjuden angesehen. Zum Christentum bekehrte Heiden – besonders die in der Kirche mindergeachteten Frauen – hielten zäh an ihren Gottheiten und Bräuchen fest. Die Kirche sah sich daher genötigt, heidnisches Glaubensgut durch Synkretismus, Umdeutung und christl. Interpretation zu assimilieren. Mit besonderer Abneigung stand man slawischen und asiatischen Heiden gegenüber. Sie wurden als Barbaren, als die Satansvölker Gog und Magog, als Tartaren (Verballhornung von Tataren gemäß lat. ex tartaro = aus der Hölle [stammend]), als „Kröten“ (ranunculi), „Wurmzeug“ (vermiculi), Teufelsgenossen, Volk Satans oder Geißel Gottes diffamiert. Sie auszurotten galt als gottgefälliges Werk.
Während der Zeit der Kreuzzüge wurde die Bezeichnung "Heiden" fast ausschließlich auf Mohammedaner ("Sarazenen") verwandt. Sie sollten bekehrt oder ausgerottet werden. In den gebildeten Schichten kam es durch Kontakt mit der islamischen Kultur auch zu einer toleranten, wenn nicht gar bewundernden oder glorifizierenden Einstellung den edlen, weisen Heiden gegenüber. Heidnische Awaren oder Magyaren, Wilzen, Pruzzen oder Litauer dagegen wurden – quasi als Untermenschen – zwangsweise christianisiert oder niedergemacht.
(s. Awaren, Hunnen, Magyaren, Mongolen, Slawen)