Johannes XXII. (Papst)

Aus Mittelalter-Lexikon
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Johannes XXII. (Jacques Duese, 1245-1334; Papst 1316-1334). Er festigte das Papsttum in Avignon und setzte seine Macht für die Interessen Frankreichs ein. Diese seine Macht wurzelte paradoxerweise in seiner psychotisch ängstlichen Veranlagung und in seiner Magiegläubigkeit: Stets von der Angst gepeinigt, dass der Pest des Aberglaubens (pestem superstitionum) verfallene Verschwörer ihm mit Zauberattentaten nach dem Leben trachteten, ließ er Mächtige und Schwache, Kleriker und Laien unter der Anklage der Zauberei verhaften, foltern und auf dem Scheiterhaufen verbrennen. Dabei spielte häufig auch politisches Kalkül eine Rolle. Er ging von der Verfolgung einzelner Zauberer zur Verfolgung einer von ihm angenommenen weitverbreiteten Sekte von Teufelsbündnern über, was das Aufkommen von Massenhinrichtungen zur Folge hatte. Wegweisend wurde seine Bulle “Super illius specula” (1326/27); in ihr gibt er seiner Befürchtung Ausdruck, dass viele Menschen nur mehr dem Namen nach Christen seien, in Wirklichkeit einen Pakt mit der Hölle geschlossen hätten (“pactum faciunt cum inferno”) und mittels Zauberei die Existenz der ganzen Christenheit bedrohten. Die in Südfrankreich in Gang gesetzte Verfolgungsflut überschwemmte bald ganz Europa.
Mit großer Härte führte er die Auseinandersetzung mit ®Kaiser ludwig IV. dem Bayern um das päpstliche Approbationsrecht und den sog. Armutsstreit mit den ®Franziskanern.
In dem Bemühen, die päpstlichen Kassen zu füllen, gewährte er Priestern, Mönchen und Nonnen, die der Schwäche ihres Fleisches erlegen waren, Absolution gegen die Erlegung hoher Bußzahlungen.
(s. Armutsbewegung, Armutsstreit, Ludwig IV. der Bayer )