Ludwig IV. der Bayer

Aus Mittelalter-Lexikon
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Ludwig IV. der Bayer (um 1282 - 1347). Nach dem Tod Kaiser Heinrichs VII. (1313) wählte das in zwei Lager gespaltene Kollegium der Kurfürsten sowohl Ludwig d. Bayern (aus dem Hause Wittelsbach) als auch Friedrich den Schönen (aus dem Hause Habsburg) zum König. Beide wurden am 25, 11. 1314 gekrönt - Ludwig in Aachen, Friedrich in Bonn. In der Schlacht bei Mühldorf am Inn (1322) – der letzten großen Ritterschlacht auf deutschem Boden – besiegte Ludwig die Österreicher unter Friedrich. Herzog Friedrich wurde in ehrenvolle Haft auf Burg Trausnitz genommen. Als nächstes wandte sich Ludwig gegen Papst Johannes XXII., der weder seine Königswahl noch seine kaiserl. Rechtsansprüche in Italien anerkennen wollte. In seiner "Sachsenhäuser Appellation" (1324) konstatierte Ludwig, dass zur Königswahl nur die Mehrheit der kurfürstl. Stimmen, nicht die Zustimmung des Papstes nötig sei. Der Bannfluch des Papstes blieb wegen der notorischen Sittenlosigkeit des päpstl. Hofes zu Avignon ohne Wirkung. Ludwig ließ sich 1328 zu Rom in einer weltl. Zeremonie durch Sciarra Colonna, dem Kapitän von Rom, zum Kaiser krönen, erklärte den Papst für abgesetzt und ließ den Minoriten Nikolaus V. zum Gegenpapst wählen. Ludwig wurde in der Auseinandersetzung mit dem Papsttum von gewissen geistlichen Kräften (Bettelorden, William Ockham, Marsilius von Padua) und von den national gesinnten Fürsten unterstützt. 1338 stellten sich auf einer feierlichen Zusammenkunft in Rhense die deutschen Kurfürsten im Kampf gegen die Ernennungs- und Approbationsansprüche des Avignonesischen Papsttums einhellig hinter Ludwig (s. Kurverein von Rhense).
Ludwig IV. war in erster Ehe mit Königin Beatrix von Schlesien-Glogau vermählt. Aus dieser Verbindung ging Ludwig (der Brandenburger). Nachdem Beatrix gestorben war (1322), heiratete Ludwig Margarete von Holland-Hennegau, welche die Grafschaften Holland und Friesland in die Ehe einbrachte.
1329 einigte sich Kaiser Ludwig mit seinen Neffen, den Söhnen seines Bruders Rudolf, im "Wittelsbacher Hausvertrag von Pavia" dahin, dass die Rheinpfalz von Bayern abgetrennt und von der Rudolfinischen (Pfälzer) Linie separat regiert wurde.
1323 hatte Ludwig seinen achtjährigen Sohn Ludwig mit der Mark Brandenburg belehnt und ihn 1342 mit Margarete Maultasch, der Erbin von Kärnten und Tirol vermählt. Da er hierzu die erste Ehe Margaretes mit einem Sohn des Böhmenkönigs aus dem Hause Luxemburg mittels gefälschter Urkunden für ungültig hatte erklären lassen, betrieben die Luxemburger seinen Sturz. Auf ihren Druck hin wählten die Kurfürsten von Köln, Trier, Mainz, Sachsen und Böhmen im Einvernehmen mit dem Papst den Luxemburger Wenzel, Sohn König Johanns von Böhmen, als Karl IV. zum Gegenkönig. Während Vorbereitungen zur Verteidigung seiner Krone starb Ludwig d. Bayer auf einer Bärenjagd nahe Fürstenfeld (1347). Sein Leichnam wurde neben dem seiner ersten Gattin Beatrix in der Münchener Marienkirche beigesetzt. Mit seinem Tod war zunächst die kaiserliche Geschichte der Wittelsbacher zu Ende; sie herrschten fortan als Herzöge in der Rheinpfalz und in Bayern. – Die Herrschaft Ludwigs d. Bayern erscheint von daher nicht in ungetrübtem Licht, als er nicht verstanden hatte, „Hausmachtpolitik und Reichsinteressen miteinander zu vereinen“ (K. Reindel).
(s. Bayern, München)