Möhre

Aus Mittelalter-Lexikon
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Möhre (mhd. mörhe, mohre, morche; lat. daucus; botan. Daucus carota). Zweijährige krautige Pflanze aus der Familie der Doldenblütler, in mehreren Arten über ganz Europa verbreitet. Kennzeichnend ist das Speicherorgan, die dicke, fleischige, gelb-rötliche oder weißlich-gelbe Pfahlwurzel (Rübe). Diese beinhaltet neben Nähstoffen (Kohlehydrate, Eiweiß) viele medizinische Wirkstoffe, darunter Carotinoide, Pektin, ätherisches Öl, Flavonoide, Vitamine und Mineralien.
Als Heilpflanze findet die wilde Möhre als „stapylinus“ Erwähnung bei Plinius, Dioskurides und Galen, wobei nicht immer deutlich wird, ob pastinaca (Pastinake) oder daucus (Möhre) gemeint ist. Daneben war sie ein wichtiges Grundnahrungsmittel (Wurzelgemüse).
Im MA. finden Möhren Erwähnung im Capitulare de villis Karls d. Gr. (.Jh.), in Schriften des Odo Magdunensis (11./12. Jh.), der Hildegard v. Bingen (12. Jh.) und des Albertus Magnus (13. Jh.).
Als Kulturpflanze wurden Rüben in Gärten angebaut und dienten der Ernährung der ärmeren Leute, besonders der Bauern. Eine Miniatur in einem "Tacuinum sanitatis" des 15. Jh. zeigt einen Bauern, der auf einem Feld Karotten mit einer Haue mit querstehender breiter Klinge erntet.
Das Heilkräuterbuch Macer Floridus nennt verschiedene Heilanzeigen und Rezepte. Gegen Galle- und Milzbeschwerden sowie gegen Lendenschmerzen sei ein Trunk von in Met gekochter Möhre hilfreich. In Milch gekocht ergebe sich ein Mittel gegen Asthma und Durchfall. Reichlich genossen entzünde die Rübe den Liebestrieb (dies wohl wegen der Gestalt der Wurzel, s. Signaturenlehre).
(s. Gemüse)