Meteorologie

Aus Mittelalter-Lexikon
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Meteorologie. Witterungserscheinungen wie Wolken, Sturm, Regen, Schnee, Hagel, Gewitter, Nebel, Tau oder Reif interessierten im MA. nicht nur den Bauern, vom ®Wetter war die Allgemeinheit ungleich stärker betroffen als heute. Entsprechend groß war das Erklärungsbedürfnis für die Ursachen derartiger Phänomene. In den einschlägigen Schriften mischen sich Wahrheiten, Halbwahrheiten und abergläubische Vorstellungen. Während z.B. in einem Traktat des 12. Jh. die Meinung vertreten wird, Regen (mhd. regen, lat. pluvia) entstünde dadurch, dass der Wind die Wolken (wolken, nubes) gleichsam auspresse, gibt Konrad von Megenberg im "Buch der Natur" eine modern anmutende Erklärung: "Der regen kümpt von wäzzrigem dunst, den der sunnen hitz auf hat gezogen in das mittel reich des luftes, wann von der kelten, diu da ist, entsleuzt sich der dunst wider in wazzer, als wir sehen an dem dunst, der von den wallenden hafen get ob dem feur: wann der dunst die kalten eisnenne hafendecken rüert, so entsleuzt er sich in wazzers tropfen". – Albertus Magnus beschrieb als erster die Struktur der Schneekristalle. Schnee (sne, nix) und Hagel (hagel, grando) wurden richtig als durch die Kälte höherer Luftschichten verursacht angesehen. Tau (touw, ros) und Reif (rife, pruina) wurden ebenso korrekt als durch nächtliche Kühle kondensierte Feuchte bzw. als gefrorenes Kondensat gedeutet. Hildegard v. Bingen meint, das Licht der Sterne wärme und kräftige die Luft, die wiederum ihren Schweiß – den Tau – auf die Erde herabsende und sie fruchtbar mache. – Die Entstehung der Winde erklärte man durch die von den bewegten Planetensphären durch Reibung vermittelte Kraft. – Zu Blitz (blitze, himelviur; fulmen) und Donner (doner, tonitrus) hatte man – neben anderen – folgende Theorien: der Donner entstehe beim Platzen einer unter starkem Innendruck stehenden Wolkenblase (Isidor, Beda); oder er komme zustande, wenn aus der ätherischen Sphäre stammende Feuerteilchen (die Blitze) in das kalte Kondenswasser der Wolken fielen (Thomas v. Chantimpre, Konrad v. Megenberg). Konrad v. Megenberg erkannte richtig die unterschiedliche Ausbreitungsgeschwindigkeit von Schall und Licht und verwies auf das analoge Phänomen beim Beobachten vom Wäschwaschen mit Waschpleueln von einem entfernten Standpunkt aus. – Sternschnuppen (sternschuz, stellae cadentes; Meteore) galten als glühende Teilchen ätherischer Herkunft, die quasi als feuriger Niederschlag die Lufthülle durchquerten. Meteorschauer (Sternschnuppenschwärme) vergleicht Konrad von Megenberg mit dem plötzlichen Entzünden vieler Kerzen und nennt sie "springende gaiz", gemäß des von Aristoteles für diese Erscheinung gebrauchten Terminus' "capra" (lat., = Ziege). (Der jährlich im August zu beobachtende Strom der "Perseiden" soll in Europa erstmals im Jahre 811 vermerkt worden sein. Nach dem Namenstag des Hl. Laurentius [am 10. August] wurde die Himmelserscheinung als "Laurentiustränen" bezeichnet.) - ®Kometen hingegen wurden für glühende Konglomerate irdischer Ausdünstungen gehalten. – Der Regenbogen (regen-boge, arcus coeli) wurde schon im HMA. richtig als Brechung des Sonnenlichts bei bestimmtem Einfallswinkel erklärt (u.a. von Haitham, Dietrich v. Freiberg, Konrad v. Megenberg). – Das (nach modernen Verständnis nicht der Metereologie zuzurechnende) ®Nordlicht wurde von ma. Wissenschaftlern kaum je thematisiert. Konrad v. Megenberg beschreibt es unter dem Titel "Von den fewern in den lüften" als einen feurigen Dunst in Form einer hellen Krone.
Abseits wissenschaftlicher Deutungen und Spekulationen suchte und fand das Volk als Verursacher von Unwettern und unheilkündenden Himmelserscheinungen Dämonen, Zauberer und Hexen. Theologen waren eher an allegorischer Auslegung als an naturwissenschaftlicher Erklärung interessiert, Astrologen wiederum interessierten sich ausschließlich für die prognostische Wertung von Himmelerscheinungen, sahen in Kometen die Vorboten von Kriegen und Naturkatastrophen.
(s. Astro-Meteorologie, Bauernregeln, Blutregen, Gewitter, Luft, Meteorit, Naturkatastrophen, Nebel, Pseudo-Beda, Reif)