Nebel

Aus Mittelalter-Lexikon
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Nebel (mhd. nebel, dampf, dunst, rouch; lat. nebula). Metereologische Erscheinung, bei welcher aus wassergesättigter Luft feine Tröpfchen kondensieren und Lufttrübungen in Form von Bodennebel, Nebelbänken oder Hochnebel bilden. Das Zustandekommen von Nebel hängt vom Vorhandensein von Oberflächengewässern und von der Lufttemperatur ab.
Dem gehäuften Auftreten von Nebellagen in den nordischen Ländern entsprach der hohe Stellenwert von Niflheim (Nebelwelt) in der altnordischen Mythologie. Niflheim ist in der Prosa-Edda als die dunkelste und kälteste Weltregion erwähnt. - Der 11. Monat wurde wegen des häufigen Auftretens von Nebeltagen "Nebelman" oder "Nebelung" genannt.
Land- und Seereisende gerieten in Gefahr sich zu verirren, wenn ihnen Nebel die Orientierung nahm. Besonders gefürchtet waren Nebel in ausgedehnten Moorgebieten wie etwa im Hohen Venn (Eifel) oder im Bourtangerveen (Emsland). Dagegen suchte man sich durch akustische Zeichen (Glockenläuten, Hörnerblasen) zu schützen. So läuteten die Gocken von Hafenstädten und entlegenen Pilgerherbergen und Alpenhospize, und signalisierten Schiffe ihre Position durch das Blasen von Hörnern. Hilfreich konnten Nebelschwaden allenfalls für Raubgesindel und Mordbuben sein, um sich nach vollbrachter Tat der Verfolgung zu entziehen.
(Durch Nebel können Zugvögel die Orientierung verlieren; zudem wird ihr Gefieder durch die Nebelnässe schwer gemacht und behindert das Vorwärtskommen.)
Im ma. Aberglauben galten Nebel als Geistererscheinungen oder als von Tieren, Hexen oder Nebelfrauen beim Kochen, Backen, Brauen oder „Spinnen“ verursacht. In jedem Fall galt er als schädlich und man suchte ihn durch nächtliches Glockengeläut ("Nebelläuten") zu vertreiben. - Aus dem Verhalten der Nebel wurden Wetterregeln abgeleitet (steigt der Nebel, wird es regnen, fällt er, wird schönes Wetter; viel Nebel im November bringt viel Schnee usw.). Von dicken, „giftigen“ Nebeln nahm man an, dass sie die Pest brächten („Pesthauch“). Konrad von Megenberg schreibt in seinem „Buch von der Natur“: „… der nebel stinkt oft und ist dicke. Daz ist dar umb, daz der dunst, dar aus er wirt, kümt von fauler fäuhten und von unrainem ertreich, und darumb von dem nebel kümt oft grozer siehtum und manigem der tot, dar umb, daz der nebel die prust versert und daz hirn und macht oft ainen unrainen fluz von dem hirn in die prust, …“
Als Schutzheiliger gegen Nebel, Pest und Unwetter galt der Bischof von Nevers (Burgund), Deodatus (frz. Dieudonnè, Kurzform Diè), der im 7. Jh. mit seinem Wanderstab dichte Nebelbänke zerteilt hatte. Seine Reliquien befinden sich in der Kathedrale von St.-Diè (Elsass).
(s. Miasma, Nebelbilder, Reisezeiten)