Miasma

Aus Mittelalter-Lexikon
Wechseln zu: Navigation, Suche

Miasma (grch., = Verunreinigung). Von Ärzten der Antike (Hippokrates, Galen) hatten ma. Gelehrte die Annahme übernommen, dass Krankheiten, besonders die um sich greifenden Seuchen, durch verdorbene Luft (corruptio aeris, vapores venenosi) verursacht seien. Miasmen würden von fauligen Nahrungsmitteln, verwesenden Leichen und Tierkadavern, verunreinigter Erde, verschmutzten Straßen, Sümpfen und Gewässern ausgedünstet oder entstiegen dem Erdinnern bei Beben als faulige Dünste oder dem Meer als giftige Nebel; sie würden „per inspirationem“ eingeatmet, sammelten sich „circa cor et pulmonem“ und bildeten dort eine „materia venenosa“, durch welche letztlich die Wärme des Herzens erlösche. Zur Verhinderung der Luft-„Verpestung“ durch den „Pesthauch“ begann man Ende des 13. Jh. die Leichen auf den Pestfriedhöfen mit gelöschtem Kalk zu bedecken. In der gleichen Absicht goss man Kalkmilch in Fäkalgruben, kalkte man Wände und Fußböden verseuchter Wohnungen oder räucherte diese mit Schwefel oder mit aromareichen Kräutern. Sümpfe wurden nicht nur trockengelegt um Neuland zu gewinnen, sondern auch um böse Dämpfe zu unterbinden, „daz das Land frischer wurd“.
(Erst zu Beginn der Neuzeit bezeichnete der Fuldaer Universalgelehrte Anastasius Kircher {1601-80} in seinen Schriften "Scrutinium pestis" und "Scrutinium medicum contagiosae luis" unzählige "kleine Tierchen", die man nur mit einem höchst ausgezeichneten Mikroskop wahrnehmen könne, als Verursacher von Krankheiten {Zit. nach H. Haas}. Somit kann er als der Welt erster Bakteriologe gelten.)
(s. Erdbeben, Krankheitsursachen, Luft, Malaria, Pest, Pestgutachten)