Ottonische Handschriften

Aus Mittelalter-Lexikon
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Ottonische Handschriften. Bezeichnung für Erzeugnisse der Buchkunst aus der Zeit zwischen der Krönung Ottos d. Gr. (936) und dem Tod Kaiser Heinrichs II. (1024). Die Handschriften, vornehmlich Prunkexemplare von liturgischen Codices (Evangeliare, Evangelistare, Sakramentare und Gradualia) stehen in karolingischer Tradition, sind aber nicht mehr in Hofschulen sondern in den Skriptorien der großen Reichsklöster entstanden so in Corvey an der Weser, im Kloster St. Michael in Hildesheim, in Fulda, Mainz und Köln und vor allem im Inselkoster Reichenau im Bodensee, wo sich ab 980 der klassische Stil der ottonischen Buchmalerei herausgebildet hat; dieser ist gekennzeichnet durch Ausklingen der spätantiken Einflüsse und durch die Öffnung für mittelbyzantinische Vorbilder; letzteres drückt sich vor allem in der Maltechnik aus, bei der man auf herkömmliche Vorzeichnung verzichtet und die Darstellungen direkt mit dem Pinsel anlegt. Plastizität erreicht man durch Höhungen in Gold und Bleiweiß.
Als herausragende Beispiele ottonischer Buchkunst seien genannt:
das Evangeliar des hl. Bernward von Hildesheim (Hildesheim, Domschatz);
das Göttinger Sakramentar (im Helmstedter Skriptorium um 1100 entstanden; Niedersächsische Staats- und Universitätsbliothek Göttingen);
das Gebetbuch des jungen Königs Otto III. (entstanden Ende des 10. Jh. in St. Alban in Mainz im Auftrag von Erzbischof Willigis (Pommersfelden, Schlossbibliothek);
der Egbert Codex (ein Evangeliar aus Reichenau, vor 1000 für den Erzbischof Egbert von Trier gefertigt; Stadtbibliothek Trier);
das Perikopenbuch Heinrichs II. (Reichenau, 1007-1012; Bayer. Staatsbibliothek München). (s. Evangelistar);
das Reichenauer Perikopenbuch (Reichenau, Anfang 11. Jh.; Herzog August Bibliothek, Wolfenbüttel). (s. Perikopenbuch);
das Evangeliar der Äbtissin Uta von Niedermünster (Regensburg, um 1010; Bayer. Staatsbibliothek München).