Patrizier

Aus Mittelalter-Lexikon
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Patrizier (neuzeitl. Begriff, zu lat. patricius = Nachkomme des Sippenhauptes; die Bezeichnung für Angehörige der „ehrbaren“, ratsfähigen städt. Oberschicht war im MA. nicht geläufig, stattdessen gebrauchte man mlat. maiores, meliores, primores, nobilitores, cives nobiles, potentes civitatis; mhd. erbgenoz, erbman, altherre, altsezze, constafler). Das Patriziat bildeten Angehörige eines der alteingesessenen und begüterten Stadtgeschlechter (geslehte, geslaht), die eine dem Adel nachempfundene Stellung, Ämter- und Ehrenvorrang beanspruchten. Es war hervorgegangen aus Gründungsunternehmern (Lokatoren), vom Land zugezogenen Adligen und aus freien oder unfreien Ministerialen der Stadtherrschaft (Verwaltungs- und Dienstmannenpatriziat). In ihre Hände hatte die Stadtherrschaft lukrative städt. Ämter wie Markt, Münze, Zoll oder Torhut gegeben. Nach dem Aufkommen der Ratsverfassung in dt. Städten im 13. Jh. blieben Rat und städt. Ämter in den reichen Handelsstädten noch bis in 14. Jh. ausschließlich dem "ratsfähigen" Patriziat vorbehalten. Nicht zuletzt, weil dessen Angehörige aufgrund ihres Wohlstandes für Tätigkeiten im Stadtregiment eher abkömmlich waren als andere Bürger. Im Aufgebot der Stadt dienten sie als schwerbewaffnete Berittene (s. constabel) und führten ein eigenes Wappen im Schild.
Mit ihrem finanziellen und gesellschaftlichen Aufstieg nahmen bis zum SMA. zunehmend auch Bürger nicht-ministerialischer Abkunft, z.B. reiche Münzherren, Großhändler und Vertreter der Luxusgewerbe (Goldschmiede, Kürschner) als Geld- und Handelspatriziat am politischen Leben teil, während sich Angehörige des Stadtpatriziats häufig vom wirtschaftlichen Leben zurückzogen, sich der ritterlichen Schicht anglichen, auf einen Landsitz übersiedelten und durch Heirat im Landadel aufgingen ("Ritterbürger").
In vielen der größeren Städte (z.B. Basel, Köln, Straßburg, Mainz, Lüttich, Frankfurt) ist es im 13. und 14. Jh. zu heftigen Fehden zwischen rivalisierenden Patrizierparteien gekommen (s. Muntleute), auch zu Kämpfen zwischen Zünften und Patriziern (meist um die Teilhabe am Stadtregiment).
Die Geschlechtertrinkstuben verwandelten sich dort, wo das Rathaus nicht mehr für gesellige Zwecke des Patriziats benutzt werden durfte, zum gesellschaftlichen und politischen Mittelpunkt der Oberschicht. Für Kunst und Kultur waren die Patrizier als Mäzene und Auftraggeber stets von größter Bedeutung. Mit ihren repräsentativen Bauten (s. Patrizierhäuser) prägten sie das Bild der Städte.