Radfenster

Aus Mittelalter-Lexikon
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Radfenster (mlat. rota). Bezeichnung einer verbreiteten Form des got. Rundfensters (vgl. Fensterrose, Rosette) an Kathedralfassaden, bei welcher der Rundung Arkadenreihen eingeschrieben sind, deren Säulen gleichsam Radspeichen darstellen, die entweder zur Peripherie – der „Felge“ – hin divergieren (Bogenscheitel am Zentrum; Kathedrale zu Reims, mittleres Bogenfeld der Fassade) oder zum Zentrum – der „Nabe“ – hin konvergieren (Bogenscheitel an der Peripherie; Straßburger Münster, Sonnenfenster). Bei allen Rundfenstern treten statische Probleme in Form von vertikalen Lasten (Eigengewicht der Steinrippen, Fensterglas) und horizontalen Kräften (Windkräften) auf. (Die Lasten des Mauerwerks über der Rose werden durch das Gewölbe oberhalb der Rose abgefangen und auf die Strebepfeiler abgeleitet, und belasten daher die Rose nicht.) Die vertikalen Lasten des Rundfensters werden durch das Maßwerk auf die untere Kreisbogenhälfte übertragen. Zum Abfangen des in Tonnen zu messenden Winddrucks und der daraus resultierenden Biegespannungen sind in die Kreisrippen eiserne Reifen eingespannt, die optisch nicht in Erscheinung treten.
Das Rad als Symbol steht für Sonne, Christus, Rad des Gerichts, Glücksrad u. a. Die symbolische Bedeutung „Sonnenrad“ war ursprünglich durch goldene, goldgelbe oder rote Fassung verdeutlicht.