Richtungssymbolik

Aus Mittelalter-Lexikon
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Richtungssymbolik. Nach ma. Weltauffassung entsprach Rechts (wie Süden und Osten) dem Guten, Links (wie Norden und Westen) dem Bösen. Rechts war die Seite des NT, links die des AT (Hrabanus Maurus: "Dextra Domini Testamentum, Sinistra Vetus"). Kirchengebäude waren geostet, sodass man sie von Westen her, mit dem Blick auf den Altarraum, auf die aufgehende Sonne bzw. auf die Richtung des Hl. Landes betrat. Vom Eingang her gesehen lag die linke Seite gegen Norden: sie war die Seite des alten Testaments, der Heiden, der Sünde (später auch Evangelien- oder Frauenseite). Die gegen Süden gelegene rechte Seite galt als die Region Christi, des Neuen Bundes, der Erlösung (später auch Epistel- oder Männerseite). In der bildenden Kunst fand Richtungssymbolik darin ihren Ausdruck, dass zur Linken des Gekreuzigten oder Weltenrichters als Bildachse negativ besetzte, zur Rechten positiv besetzte Personen, Allegorien oder Gegenstände angeordnet waren: zur Linken standen Synagoge, Mond, Tote, Verdammte, Hölle; zur Rechten Ecclesia, Sonne, Auferstehung, Erlöste, das Paradies.
Wie die Seiten Rechts und Links waren auch die Höhenangaben Oben und Unten eindeutig bewertet. Das höher gelegene wurde als mächtiger, wertvoller, bedeutsamer erachtet, was sich in mhd. Begriffen ausdrückt wie hochgeborn (edel), hochgemuot (stolz), hochgesidele (Ehrensitz), hochgezit (Fest), oberhant (Oberhand), oberman (Obmann), oberkeit (Obrigkeit) oder obesiht (Aufsicht), übergroezen (übertreffen), überherren (überwältigen), übehoubet (Oberhaupt), überkroenen (verherrlichen), überwinnen (besiegen) u.a.m. Entsprechend galt das Untere, Niedere als minderwertig, schwächer: niderganc (Nierdgang), niderlage (Niederlage), niderunge (Erniedrigung), underbiegen (unterwerfen), underbougic, -hoeric (untertänig), underganc (Untergang), underlic (Niederlage), undern (unterwerfen).
In himmlischen Sphären, also am allehöchsten dachte man sich den himmlischen Vater angesiedelt. Seinen Widersacher im tiefsten Inneren der Erde. Irdische Herrscher konnten keine andere als eine erhöhte Positionen einnehmen, sei es auf dem Thron oder hoch zu Ross. Als Gebärde der Demut und der Unterwerfung warf man sich zu Boden.
(s. Dingbedeutsamkeit, Prostration, rechts und links)