Schönheitspflege

Aus Mittelalter-Lexikon
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Schönheitspflege. Um dem jeweiligen Schönheitsideal der äußeren Erscheinung zu entsprechen (s. Ästhetik) und auf das andere Geschlecht möglichst verführerisch zu wirken, verfügten Damen und Herren der höfischen Gesellschaft über eine Vielzahl von Hilfsmitteln, Techniken und Verhaltensweisen. Grundlegend waren Körperreinigung mit Asche oder ®Seife sowie Zuber- wie Dampfbäder mit Kräuterzusätzen. Der Hautpflege dienten diverse Salben und ®Pomaden, Birken- und Weinrebensaft, Märzenschnee, Frauen-, Stuten- und Eselsmilch oder Eigenharn. Sommersprossen suchte man mittels Märzenschneewasser, Petersilien- und Rettichsaft sowie durch mancherlei abergläubische Handlungen zu vertreiben. Um anhaftendem üblen Körpergeruch zu übertönen, parfümierte man sich mit Moschus, Gewürznelken oder Muskat. Man mischte Anis, Arnika, Fenchel und Kümmel unter das Essen oder kaute Kardamom und Süßholz, um den Atem zu erfrischen, und bekränzte das Haar mit Rosen, Veilchen und Heckenrosen, um ihm betörenden Duft zu verleihen. Ungekämmtes („strubendez“) Haar galt als bäurisch, und so verwandte man viel Zeit darauf, sich frisieren zu lassen oder vor dem Spiegel selbst zu kämmen (s. Kamm). Um dem Haar die erwünschte blonde Tönung zu geben, ließ man über Nacht eine Salbe einwirken, deren Hauptbestandteil fein gemahlene und in Essig gekochte Rebenholz- und Eschenholzasche war. Um die Haupthaare schnell und üppig nachwachsen zu lassen, ließ man sie bei zunehmendem oder Vollmond schneiden. Unerwünschter Behaarung begegnete man mit dem Rasiermesser (s. Rasur), mit Pinzette, Löschkalk oder mit in Pech getauchten Fingerspitzen oder Stoffstreifen. Zur Zahnpflege verwandte man u.a. Zubereitungen mit Salbei, Schlämmkreide oder Urin (man wusste um dessen bleichende Wirkung [dank dem darin enthaltenen Ammoniak]). Verführerisch weiche und glänzende Lippen erbrachten Balsame aus Bienenwachs, Honig und Rosenwasser. Pflanzliche Öle (z.B. Leinsamenöl) mit verschiedenen Zusätzen (z.B. Melisse, Ringelblume, Eibisch) ergaben Cremes zur Hautpflege. Öl aus der Zwiebel der Lilie, mit Wachs zu einer Salbe angerührt, kam gegen Runzeln im Gesicht zur Anwendung.
Dass zu einem reizvollen Erscheinungsbild Parasiten nicht passten, sei am Rande bemerkt. Noch vor der Wäsche, dem Bad und dem Umkleiden ließ man sich Kopf- und Barthaar entlausen.
Unverzichtbares Utensil der Schönheitspflege war der ®Spiegel, Symbol der Eitelkeit.
Um Reiz und Anziehungskraft der äußeren Erscheinung zu vervollkommnen, trug man Schmuck und modische, die Figur betonende Kleidung, bemühte sich um sprechende Körperhaltung und Gestik, um gute Manieren und um ein gewinnendes, heiteres Minenspiel.
Klerikalen Moralisten, die die Nichtigkeit körperlicher Reize predigten, war der Schönheitskult ein Gräuel und sie brandmarkten ihn als bußwürdige Abirrung vom Pfad der Tugend.
(s. Barttracht, Haartracht, Kosmetik, Salbe)