Seife

Aus Mittelalter-Lexikon
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Seife (mhd. seife, seiffe; ahd. seifa, seipfa; lat. sapo). Gallier und Germanen kannten (nach Plinius d. Ä.) feste oder halbfeste Stoffe, die aus Ziegentalg, Buchenasche und Pflanzensäften hergestellt waren und ursprünglich als Haarpomade benutzt wurden. Schon viel früher war von den Sumerern auch die schaumbildende und schmutzlösende Wirkung von Seife entdeckt worden, wurde Seife als ältestes Waschmittel benutzt. Danach scheint die Seifenherstellung in Vergessenheit geraten zu sein. Erst im 7./8. Jh. entdeckten Araber die Seifensiederei aufs Neue, von ihnen gelangte sie über Spanien nach Europa. Ausgangsstoffe waren die Asche von salzhaltigen Pflanzen (als Alkalilieferant), tierische Fette und Ätzkalk. Das Produkt war feste Kaliseife. Sie wird unter den Vorräten und Lieferungen karolingischer Herrengüter erwähnt.
Vom 13. Jh. an wurden aus Italien (Venedig, Mailand, Genua, Savona) und aus Spanien (Alicante, Cartagena, Malaga, Sevilla, Valencia) olivenölhaltige, parfümierte Seifenkügelchen nach Nordeuropa exportiert, wo sie als Luxusgut gehandelt wurden und in oberschichtlichen Kreisen als Haarwasch- und Rasiermittel dienten. Das Volk benutzte zur Körper- und Wäschereinigung weiterhin Seife auf der Grundlage von Asche und Talg oder Tran (s. Seifensieder)
In einem Seifenrezept von 1389 sind folgende Bestandteile aufgelistet: stark alkalische Asche (weitasche, waydasche) aus Harthölzern; ungelöschter Kalk; Wasser; Alaun; Unschlitt-Fett; Pottasche; ein wenig Olivenöl.
In der Medizin diente Seife – versetzt mit anderen Stoffen – u.a. zur Wundbehandlung, gegen seborrhoische Hautleiden, als Suppositorium gegen Stuhlverhaltung oder – vermischt mit Kreide – zur Zahnpflege.
Dem Aberglauben zuzurechnen ist der Brauch, Körperschäden zu heilen, indem man sie mit Seife bestreicht, die zur Leichenwäsche gedient hatte.
Als Letztes sei die Verwendung von Seife als Schmiermittel genannt. Bei Seifen dieser Art handelt es sich um flüssige oder halbfeste Seifen aus basischer Kalilauge (hergestellt aus Pottasche und gelöschtem Kalk) und minderwertigen Fetten oder Ölen.
(s. Schmiermittel, Wäschewaschen)