Schach

Aus Mittelalter-Lexikon
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Schach (mhd. schachzabel; von pers. schah = König und mhd. zabel = Brettspiel, Spielbrett [lat. tabula]; mlat. ludus scachorum). Das Schachspiel wurde wahrscheinlich im 6. Jh. in Indien erfunden, gelangte über Persien (pers. sha-mat = der König ist hilflos), wo das Regelwerk verfeinert wurde, zu den Arabern, von denen es um 1000 über Spanien und Sizilien nach Mitteleuropa weitervermittelt wurde. In Deutschland findet es seine erste Erwähnung 1050 in dem höfischen Roman "Ruodlieb". Entsprechend der höfischen Wertschätzung der hohen Frau bekam die "Dame" oder "Königin" erst im Abendland ihre überragende Rolle im Spiel; in Indien oder bei den Arabern stand dem König ein Großwesir zur Seite, der wesentlich geringere Aktionsmöglichkeiten hatte; der orientalische Fers (der Wesir) wurde zu frz. vierge, der Jungfrau oder Königin. Aus dem arab. Ualfil (einem Elefanten) wurde in Europa ein Mensch (im Dt. Läufer, Ital. Fahnenträger, Frz. Narr, Engl. Bischof). Das arab.-pers. Rukh (ein Kamel) wurde durch eine lat. Fehlübersetzung zu rochus, der Turm.
Schach gehörte zu den ritterlichen Künsten und wurde bald zum beliebtesten Spiel der Oberschichten (Adel, Geistlichkeit, Ministerialität). Entsprechend kunstvoll waren die Spielfiguren aus Speckstein, Holz, Ton, Knochen, Hirschhorn, Walrosszahn, Elfenbein, Glas, Bergkristall oder Edelsteinen gearbeitet. Waren bei den Muslimen wegen des im Koran verfügten Verbots, Dinge figürlich nachzubilden, die Spielsteine abstrakt geformt, so nahmen sie im christlichen Abendland konkrete Formen an wie König, Dame,Turm, Ritter oder Bauer. Die Spielbretter waren zumeist aus Holz oder Ton. Da nicht nur um die Ehre des Gewinnens sondern auch um Hab und Gut gespielt wurde, bekam auch das Schachspiel das Odium des Verruchten.
Um 1335 wurde in Deutschland das lat. Schachbuch ("Liber de moribus hominum et de officiis nobilium ac popularium super ludo scaccorum") des ital. Dominikanermönchs Jacobus de Cessolis (um 1300) etwa zeitgleich in gereimten dt. Übersetzungen des Heinrich von Beringen und des Konrad von Ammenhausen bekannt. Dieses "Schachzabelbuch" war nicht nur eine Spielanleitung, vielmehr wurde anhand der allegorisch bewerteten Figuren die ma. Stände- und Sittenlehre illustriert. Die Bauern (mhd. venden) werden als Vertreter des gemeinen Volkes (populares) dargestellt, im Gegensatz zu den Vertretern der Edlen (nobiles), die als König, Königin, Richter, Ritter und Statthalter verkörpert sind. Als Venden figurierten von rechts: Bauer, Schmied, Schreiber, Kaufmann (vor dem König), Arzt (vor der Königin), Wirt, Amtmann und Gaukler. Vertreter der Geistlichkeit sind - außer bei ®Meister Ingold - ausgespart. Während den "edlen" Figuren Eigenschaften zugeschrieben werden wie Gerechtigkeit, Weisheit, Keuschheit, Barmherzigkeit und Freigebigkeit, zeichnen sich die "gemeinen" durch Fleiß, Mäßigkeit, Zuverlässigkeit und Ehrlichkeit aus. Die Exempelerzählungen und Weisheitssprüche aus Cessolis´ Schrift werden von den Bearbeitern teils ausgesponnen, teils zusammengedrängt.
Der Traktat des Jacobus wurde im 14. Jh. noch zweimal in deutsche Reimpaare übertragen, und zwar um 1355 von einem Pfarrer zu dem Hechte und vor 1375 von einem Meister Stephan; beide sind urkundlich nicht belegt. Beide Bearbeiter scheinen im Nordosten des deutschen Sprachgebiets gelebt und weder von ihren Vorgängern noch voneinander gewusst zu haben.
(s. Buch der Spiele, Konrad von Ammenhausen, Meister Ingold, Schachbrettstein)