Stadtbäche

Aus Mittelalter-Lexikon
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Stadtbäche. Viele ma. Gründungsstädte glichen vergrößerten Klosteranlagen und es liegt nahe, dass sich die Stadtherren des Ingenieurwissens von Mönchen – besonders des Zisterzienserordens – bedient haben. (Von Kaiser Friedrich II. ist bekannt, dass er sich bei der Anlage apulischer Städte von Zisterziensern beraten ließ.) So wird auch das planmäßig angelegte System von Bächen und Kanälen in vielen Städten auf Mönche zurückgehen, die schon frühzeitig gelernt hatten, den Klosterbach für gewerbliche Zwecke und als Schwemmkanal zu nutzen. Die Stadtbäche und -kanäle trieben Mahl- und Werkmühlen, lieferten Brauchwasser für viele Gewerbe (Walker, Gerber, Färber, Papiermacher usf.), nahmen Oberflächen- und Abwässer, Unrat und Fäkalien auf und beförderten sie durch die Stadtmauer hindurch in den Stadtgraben oder das nächste Fließgewässer. Wasser-Ein- und -Ausläufe im Bering waren durch Fallgatter verschlossen; bei größerer Bachbettbreite legte man – damit das Gatter nicht zu schwer wurde – einen oder mehrere Zwischenpfeiler und entsprechend viele Gattertore an.
Städt. Verordnungen stellten – um Sperr- und Mühlenanlagen freizuhalten – die Entsorgung sperriger Gegenstände (Sperrmüll, Bauschutt) über Fließgewässer unter Strafe. In Stadtbäche, die nur wenig Wasser führten, durfte zur Hintanhaltung der Geruchsbelästigung kein Inhalt aus Abortgruben und sonstiger Unrat eingeleitet werden. Trotzdem mussten sie regelmäßig – meist jährlich – trockengelegt und gereinigt werden. In die anfallenden Kosten hatten sich die Anrainer zu teilen.
(s. Abfallbeseitigung, Tiefbau, Stadtanlage, Umweltprobleme)