Steinzeug

Aus Mittelalter-Lexikon
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Steinzeug (neuzeitl. Bezeichnung für bestimmte Keramikerzeugnisse). Aus einer Masse von Ton (50-80%), Quarz (20-40%) und Feldspat (bis 10%) bei hoher Temperatur (1200-1300°C) gebrannte Tonware. Die Rohmasse versintert beim Brennen und wird dadurch weitgehend wasserundurchlässig; durch Aufbrennen einer ®Glasur erreicht man völlige Dichtigkeit. Farbe und Glanz der Glasur waren bestimmt durch die chemische Zusammensetzung der Engobe (Tonbrei-Aufschemmung) bzw. der Salz- oder Ascheglasur. Gute, d.h. stahlharte Scherben zeichneten sich durch einen hellen Ton aus.
Die Herstellung von Steinzeug in Deutschland geht auf das 14 Jh. zurück und soll zuerst im rheinländischen Siegburg gelungen sein. Von hier aus verbreitete sich die Technik über das ganze Rheinland (Zentren in Aachen, Köln, Frechen, Raeren), nicht zuletzt aufgrund der im nahen Westerwald anstehenden besonders geeigneten Rohstoffe (Steinzeugtone). Rheinisches Steinzeug wurde in ganz Nord- und Westeuropa gehandelt und gelangte bis in die Länder an Nord- und Ostsee. Weitere Standorte der Steinguttöpferei bildeten sich in der Eifel, in Mittel- und Ostdeutschland. Im sächsischen Bautzen wurde im 15. Jh. das künstlerisch hochwertigste Steingut Europas hergestellt.
Durch Zugabe von Flussmitteln bildet sich beim Brand eine Glasphase, welche die Zwischenräume der kristallinen Tonpartikel auffüllt. Steinzeug wird glasiert und unglasiert angeboten.
Steinzeugprodukte zeichneten sich außer durch Flüssigkeitsundurchlässigkeit durch große mechanische Festigkeit und damit lange Haltbarkeit sowie durch gute Reinigungsmöglichkeit aus; sie wurden vor allem genutzt als Haushaltsgeschirr (Krüge, Trinkgefäße), Apothekerbehältnisse (Tiegel, Flaschen) und Vorratsbottiche.
(s. Engobe, Keramik)