Türmer

Aus Mittelalter-Lexikon
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Türmer (mhd. türner, turnhüeter). Zwar hatte man schon von den Türmen früher Burgen Ausschau nach Feinden oder bösem Wetter gehalten, der Beruf des Türmers entstand jedoch erst in den Städten des HMA., als die ständig drohende Feuersgefahr Wachsamkeit bei Tag und Nacht erforderte. Daneben hatte der Türmer auf Wach- oder Gefängnistürmen durch Glockenläuten oder Stundenabblasen die Zeit anzuzeigen und aufziehende Unwetter oder nahendes Kriegsvolk zu melden (s. Glockenläuten, Horn, Stadtglocken). Weshalb der Türmerberuf fast überall als unehrlich verfemt wurde, ist nicht eindeutig geklärt. Mancherorts war das Türmeramt dem Henker aufgetragen worden, dem am stärksten tabuisierten Mann der Gesellschaft. Auch benutzte man Türme als Kerker, deren Wachpersonal (Büttel, Schergen) als kaum weniger verfemt galt. In vielen Fällen wurden fahrende Spielleute, die ebenso den Unehrlichen zugerechnet wurden, vorübergehnd als Turmbläser angestellt. Auch kann es vorgekommen sein, dass ein asylsuchender Missetäter auf einem Kirchturm als Türmer heimisch wurde. Wenn dem Türmer auch zauberische Macht zugetraut wurde, dann möglicherweise wegen seiner Nähe zu nachtfahrenden Dämonen und Geistern. Vom SMA. an wurde das Stundenabblasen vom Turm durch gelernte Musiker im Dienste des Rats besorgt (s. Stadtpfeifer).