Unfruchtbarkeit der Frau

Aus Mittelalter-Lexikon
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Unfruchtbarkeit der Frau (zu mhd. unvrühtec, unvrühtic = unfruchtbar [ze kinde]; lat. infecunditas = Unfruchtbarkeit, Impotentia concipiendi, I. gestandi = Unfähigkeit zu empfangen bzw. auszutragen). Der gesellschaftliche Wert der Frau definierte sich außer von ihrer Arbeitsleistung vor allem von ihrer Fortpflanzungsfähigkeit her. Kinder zu haben entsprach nicht nur biblischem Gebot („seid fruchtbar und mehret euch“) sondern versprach familiäre Arbeitskraft sowie Fürsorge im Alter und nicht zuletzt die Aussicht auf möglichst vorteilhafte neue verwandtschaftliche Beziehungen. Das Letztere war in adligen Familien von besonderer Bedeutung, konnte doch durch die Verheiratung der Kinder erfolgreiche Familienpolitik betrieben werden. Folgerichtig war Unfruchtbarkeit der Frau ein Grund zur Verstoßung seitens des Mannes und zu dessen Neuverheiratung. Die Kirche machte eine Ausnahme von der Regel der Unauflöslichkeit der Ehe, wenn bei der Heirat der verborgene Mangel von Unfruchtbarkeit vorgelegen hatte. Wegen Unfruchtbarkeit geschiedene Frauen mussten häufig ihe Leben in einem Kloster beenden.
In der Impotenz oder Sterilität des Mannes wurde kaum je ein ernsthaftes Problem gesehen.
Hildegard von Bingen begründet die Unfruchtbarkeit des Weibes damit, dass „dessen Gebärmutter innerlich kalt und zu schwach“ ist. Zur Abhilfe empfiehlt sie die Einnahme von der Gebärmutter eines Lammes oder einer Kuh, welche zwar ausgewachsen sind aber noch nicht geboren haben. Spätmittelalterliche Rezeptbücher, wie z.B. das „Arzenibuoch“ des Ortolf von Baierland, boten auf breitem Raum Ratschläge und Rezepte zur Erhöhung der Fertilität.
Kinderlose Frauen erbaten Hilfe durch Gebete zu Gott und die Heiligen, ließen Messen lesen, legten Gelübde ab, brachten Opfergaben dar und gingen auf Wallfahrten und Pilgerreisen. Andere wandten sich an weise Frauen, benutzten Zaubertränke, trugen Amulette, sprachen Beschwörungs- und Zauberformeln. Wofern daraufhin eine Schwangerschafr eingetreten war, glaubte man an ein Wunder, bewirkt durch Gott und seine Heiligen oder durch Magie.
(s. Ehe, Ehescheidung, Fruchtbarkeit, Impotenz, Zeugung)