Wagner

Aus Mittelalter-Lexikon
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Wagner (mhd. wagener, ahd. waginari; v. ahd. wagan = das Sichbewegende; auch stellemacher, stellmecher [zu mhd. stelle = Gestell], Rademacher; mlat. aurigifex, carpentarius, currarius, currifex, rotarius). Produkte der Wagner waren Speichenräder, Wagen, Karren und Kufenschlitten verschiedener Art, landwirtschaftliche Geräte wie Pfluggestelle, Eggen, Deichseln, Leitern und Werkzeugstiele. Mehr Zeit als für die Herstellung dürften die Wagner für die ständig anfallenden Reparaturarbeiten aufgewendet haben. Wagner waren vielfach auf die Zusammenarbeit mit anderen Handwerken angewiesen. So mit ®Schmieden (eiserne Radreifen, Eisenteile des Pflugs, Beschläge), mit ®Schlossern (Scharniere, Bänder) und ®Riemern oder ®Sattlern (Lederriemen zur Aufhängung des Wagenkastens).
Wagnerzünfte finden sich seit dem 14. Jh. in den bedeutenderen Städten wie Nürnberg, Augsburg, Wien und Lübeck. Andernorts waren sie den Zünften von Zimmerleuten, Drechslern, Schreinern, Kummetmachern oder Küfern zugeordnet. Im übrigen war das Wagnerhandwerk ein typisches Landhandwerk. Die Lehrzeit betrug meist nur zwei Jahre, jedoch mussten Gesellen zur Meisterprüfung eine fünfjährige Wanderschaft nachweisen.
Manche Werkzeuge der Wagner gleichen weitgehend denen der Tischler, so etwa Axt, Hacke, Querbeil, Hobel und Hohleisen. Speziell für den Wagnerberuf bildeten sich große Hohlbohrer (Naben-, Nieten- und Felgenbohrer), Zieh- und Felgenmesser, Holzhämmer, Beitel und Zirkel. Für die serielle Herstellung mancher Werkstücke gab es eine Vielzahl von Schablonen. Holzsorten wurden je nach Verwendungszweck ausgewählt: Ulme wurde für Radfelgen und Naben genommen, Eiche für die Speichen, Esche für Deichseln, Buche für den Wagenkasten.
(s. Rad, Kutsche, Leiter, Schlitten, Wagen)