England

Aus Mittelalter-Lexikon
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England. Die mittleren und südl. Gebiete der brit. Insel, benannt nach den Angeln, die sie zusammen mit den Sachsen und Jüten um die Mitte des 5. Jh. erobert und besiedelt hatten. Die kelt. Ureinwohner (s. Briten) wurden an die Westküste der Insel abgedrängt (Wales, Cornwall) oder flüchteten aufs Festland, wo sie sich in der Bretagne niederließen. Bis zur Mitte des 6. Jh. entstanden angelsächs. Königreiche, deren mächtigste (Essex, Sussex, Wessex, Kent, Eastanglia, Mercia und Northumbria) zusammen die "Heptarchie" bildeten, während schwächere Reiche (wie Lindsey, Deira, Bernicia) wieder zerfielen. Von Kent aus und von seinem kulturellen Zentrum, dem 601 gegründeten Erzbistum Canterbury, erfolgte im 7. Jh. die Christianisierung. 827 vereinigte König Egbert von Wessex die sieben Königreiche und nannte sich König von Angelland. Im 9. Jh. etablierten sich zugewanderte Skandinavier (vor allem Dänen) in den nördl. Königreichen Nothumbria, Mercia und Eastanglia, wo sie ein eigenes Herrschaftsgebiet (Danelaw) gründeten. Der Rest der angelsächs. Reiche wurde von Wessex dominiert. 1015 fiel Knut d. Gr. von Dänemark in England ein und verleibte das Land seinem aus Dänemark, Norwegen und Teilen Schwedens bestehendem Großreich ein. Nach seinem Tod (1035) entstand unter der Führung des Königs von Wessex, Edwards d. Bekenners (1042-66), das angelsächsische Reich aufs Neue. Von großer Bedeutung für die Ausbildung einer angelsächsischen Nationalsprache war der Mönch Aelfryc (Aelfric Grammaticus, um 955 – um 1020) mit seiner lat.-angelsächs. Grammatik, seinen Übersetzungen lat. Schriften und seinen lat. Lehrfibeln (z.B. „Colloquium“, um 1000). Diese angelsächsische Periode endete mit dem Sieg der romanisierten Normannen unter Herzog Wilhelm von der Normandie in der Schlacht bei Hastings (14.10.1066). Von nun an herrschte eine neue anglo-normannische Führungsschicht, deren Ritter als die wohl kampfesstärksten Krieger ihrer Zeit in Europa galten. Das normannische Königtum war stramm zentralistisch organisiert und ließ keine Territorialgewalten wie auf dem Kontinent aufkommen. Die angelsächsische Sprache wurde in Literatur und Verwaltung durch Französisch und Latein ersetzt. 1086 entstand das Domesday Book, ein allumfassendes Grundkatasterwerk, auf das sich die königliche Verwaltung stützen konnte. Unter Heinrich II. (1154-89) aus dem Hause Anjou wurde, durch Verbindung Englands mit frz. Kronlehen, das Angevinische Reich gegründet, das neben dem staufischen das mächtigste des Abendlandes wurde. Heinrich setzte Verwaltungs-, Steuer- und Rechtsreformen (Common Law) durch und ersetzte die Militärdienst leistenden Lehnsleute durch ein stehendes Söldnerheer. 1171 begann die engl. Eroberung Irlands. Unter König Johann I. "ohne Land" (1199-1216) ging die Macht der Angevinen zu Ende. Die Barone zwangen ihn, die Interessen des engl. Adels- und Ritterstandes zu berücksichtigen (Magna Charta libertatum, 1215). Die weitere ma. Geschichte Englands war bestimmt von wiederholten Kriegszügen gegen Schottland, Auseinandersetzungen mit Frankreich (Hundertjähriger Krieg, 1337 - 1453), die nonkonformistischen und antiklerikalen Ideen des John ®Wyclif, Erstarken des Parlaments, Wiederannahme der engl. Sprache bei Hofe und in den oberen Gesellschaftsschichten, einem Bauernaufstand aus sozialen und polit. Motiven (1381) und den Kriegen zwischen den Adelsgeschlechtern der York und Lancaster (1455-1485; "Rosenkriege" genannt, da die Familien eine weiße bzw. rote Rose im Schild führten).
Im FMA. kam es in England und Wales zu einer großflächigen Umstellung von Ackerbau auf Weidewirtschaft mit Schafen. Daraus resultierte einerseits die Freisetzung, Verarmung und Verstädterung vieler landwirtschaftlicher Arbeitskräfte, andererseits großer Reichtum aus dem Export von Wolle und Tuchen. Englische Schafhalter und Tuchweber verschifften ihre Waren mittels Londoner Handelshäuser und hanseatischer Kaufleute über Antwerpen und Brügge nach Flandern, Brabant und benachbarte Regionen.
(s. Wilhelm der Eroberer)