Flechten

Aus Mittelalter-Lexikon
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Flechten (mhd. vlehten, ahd. flehtan = drehen, ineinanderflechten. Über die gemeinsame indogerm. Herkunft verwandt mit lat. plectere, grch. plekein = flechten). Aus der vorgeschichtlichen Zeit stammt die Fertigkeit, Flechtwerk aus verschiedenen Materialien zu unterschiedlichen Zwecken herzustellen. Im MA. wurden Ruten von Hasel, Weide, Erle und Hainbuche zu ®Zäunen und Hürden, zu Türen und Gattern, zu Ausfachungen im Fachwerkbau oder zu Wandverkleidungen in Gruben verflochten. Aus Weiden-, Pappel- oder Haselnussruten wurde eine Vielzahl unterschiedlicher Flechtwerke gefertigt, so Zäune und Ausfachungen, Bordwände von Wagen und Karren ("Karrenkörbe"), Transport- und Vorratskörbe, geflochtene Siebe, Fischreusen oder Kinderwiegen bzw. -wagen. Aus Bast, Binsen und Schilf wurden Matten geflochten. Aus geflochtenen Strohseilen wurden Bienenkörbe und Brotformen (Brotmulden) gemacht.
Die Korbflechterei wurde als bäuerliches Handwerk oder als Nebenerwerb (etwa von Flößern) betrieben und war vornehmlich in Flussniederungen mit ergiebigen Sal-, Dotter- und Korbweidenbeständen beheimatet. Die ein- bis dreijährigen Triebe wurden nach dem Laubabfall zur Zeit der Saftruhe geerntet, geschält, eingeweicht (bzw. gekocht) und schonend getrocknet. Außer den ganzen Zweigen wurden – für filigrane Arbeiten – auch in zwei bis vier „Schienen“ gespleißte Ruten verarbeitet. Um eine gleichmäßig symmetrische Form zu erhalten, wurden manche Körbe über einer hölzernen Form geflochten.
Korbflechter kamen mit geringem Werkzeug aus; es bestand im wesentlichen aus einer Schnitzbank, einem Messer, einer Abzieh- und einer Spaltklinge sowie einem Klopfeisen.
(s. Ausfachung, Korb, Schnitzbank, Wand, Weide (Salix), Zäune)