Galenus

Aus Mittelalter-Lexikon
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Galenus, Clarissimus (Galenos von Pergamon; auch Galen, fälschlich Claudius; ca. 131 - ca. 201). Im kleinasiatischen Pergamon (röm. Provinz Asia) geborener griechischer Anatom, Physiologe und Kliniker, neben ®Hippokrates – den er glühend verehrte und auf dessen Werk er aufbaute – der größte Mediziner der Antike. Das Werk Galens sollte durch das ganze MA. hindurch unangefochtene Gültigkeit behalten. Galens anatomische Kenntnisse stammen teils aus seiner Zeit als Gladiatorenarzt, überwiegend jedoch von unzähligen Tiersektionen. Besonders das Herz-Kreislaufsystem, die sensible und motorische Innervation, die Anatomie von Hand und Fingern sowie die Funktion jedes Muskels der einzelnen Glieder hat er präzise beschrieben. Eine Abhandlung über den Puls zählt 27 verschiedene Pulsqualitäten auf, deren kunstgerechte Einordnung – neben der Harnbeschau – die Hauptbeschäftigung mittelalterlicher Ärzte wurde.
Galens Humoralpathologie – die Vorstellung von Gesundheit als Harmonie zwischen den vier Säften, bzw. von Krankheit als deren Missverhältnis – galt bis ins 19. Jh. als grundlegendes Konzept der europäischen Medizin (s. Säftelehre). Sie bot dem Arzt drei therapeutische Ansätze: Regelung der Lebensweise (s. Diätetik), medikamentöse Behandlung und Ableitung schädlicher Säfte (s. Aderlass, Schröpfen).
Seine Lehre vom Pneuma besagte, dass das lebenserhaltende Naturpneuma (pneuma physikon) einer Umwandlung in der Leber entstammt und mit dem Blutstrom zum Herzen getragen wird. Vom Herzen mit "Lebenspneuma" (pneuma zootikon) aufgeladen, strömt das Blut zu den Organen und zur Peripherie. Soweit es zum Gehirn gelangt, wird es in "Seelenpneuma" (pneuma psychikon) verwandelt, welches die Substanz der Seele bildet und die Nerven versorgt. Die Lunge dient zur Abkühlung des Herzens und zur Durchmischung des Blutes mit Luft.
Galens Neigung zur Astrologie, wie sie etwa in seinem "De diebus decretoriis" ("Über die entscheidenden Tage") zum Ausdruck kommt, sollte für die arabische – und von da aus für die abendländische – Medizin von großer Bedeutung werden. So stand beispielsweise für Galen der Zusammenhang zwischen Fieberzyklen und Mondphasen außer Zweifel.
Im Mittelalter wurden die Werke Galens derart sklavisch und kritiklos weitergereicht, dass eigene Beobachtungen vernachlässigt wurden, die anatomischen und physiologischen Grundkenntnisse zunehmend verflachten, während die spekulative Dogmatik wucherte. (s. Physiologie)
Von den Schriften Galens waren in lat. Übersetzung bekannt "Isagoge in artem parvam Galieni", "De locis affectis" und "De elementis". In Anlehnung an galenische Schriften entstanden "Liber megatechni" und "De coitu" des Constantinus* Africanus sowie "Liber de elementis Galieni", "Liber de ingenio sanitatis Galieni", "De complexionibus", "De simplici medicina", "De methodo medendi ad Glauconem", und "Liber de criticis diebus" des Gerhard von Cremona (s. Übersetzer).
(s. Isagoge Johannitii, Organe, spiritus)