Gerberlohe

Aus Mittelalter-Lexikon
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Gerberlohe (mhd. lo = abgeschälte Baumrinde; mlat. tannum = Gerberlohe). Zur Lederbereitung, besonders in der von Rindsleder (Rotgerberei) ind in der Schwarzfärnerei wurden große Mengen an Lohe, gerbstoffhaltiger Baumrinde (zumeist von von jungen Stockausschlägen von Eichen, aber auch von jungen Fichten oder Rottannen, Erlen, Birken und Weiden) benötigt: etwa 30 kg für eine einzige große Tierhaut. Loher schälten – üblicherweise im Frühjahr vom lebenden Stamm. Die Rinde wurde dabei mit einem "Lohlöffel" genannten Werkzeug längs am Stamm aufgeschnitten und dann zur Seite hin ringsum abgelöst. Geschälte Stämme wurden gefällt und - soweit von Hartholz - zu Holzkohle verbrannt. Häufiger war das "Schneiteln" von Eichen, bei welchem alljährlich die jungen Kopftriebe in drei bis fünf m Höhe geerntet wurden, wodurch die charakteristische Wuchsform von "Kopfeichen" entstand. Zur Lohegewinnung wurden eigene Schälwaldungen angelegt. Die abgeschälte Rinde wurde getrocknet, dann im Stampf- oder Kollerwerk der Lohmühle zermahlen und endlich dem Wasser der Gerbgruben oder -fässer zugesetzt, wo der Wirkstoff (Tannin) in Lösung ging. Die Lohauszüge hatten je nach Gerbeverfahren unterschiedliche Konzentrationen, die von 10 gr bis 400 gr Gerbstoff je Liter Wasser variierten. War die Gerbewirkung der breiigen Flüssigkeit verbraucht, so ließ man die Rindenreste absetzen, strich sie in Holzformen zum Abpressen und Trocknen und verwendete sie endlich als Heizmaterial („Lohkuchen“, „Lohkäs“).
Lohe war im als wichtiges Handelsgut dem Stapelrecht unterworfen.
(s. Gerben, Gerber, Lohmühle)