Herold

Aus Mittelalter-Lexikon
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Herold (mhd. heralt, heralde; über afrz. hiraut, heraut von ahd. heriowaldo = Heereswalter; ursprunglich Botenläufer im Heeresdienst). Die vollgerüsteten, von Kopf bis Fuß in Eisen gehüllten Ritter des europäischen Mittelalters machten sich seit dem 12. Jh. durch farbige, weithin sichtbare Bildzeichen für Freund und Feind kenntlich. Als großflächiger Bildträger bot sich der Schild an, der zu jener Zeit zumeist von länglich-dreieckiger Form war. Bei der aufkommenden Vielzahl solcher Wappenzeichen (s. Wappen) wurde deren Zuordnung zu einem eigenen Wissensgebiet. Seit dem 13. Jh. bezeichnet "Herold" einen Bediensteten bei Hofe, der aufgrund seiner genealogischen und heraldischen Kenntnisse bei Turnieren die Teilnahmeberechtigung überprüfte (Wappenprobe, s. Turnierfähigkeit) und als Zeremonienmeister die Kämpfer aufrief und die Sieger pries. (Vorgänger des Herolds auf dem Turnierplatz war der ®"Wappenknabe" gewesen.) Herolde mussten über ein gutes Gedächtnis verfügen, von absoluter Vertrauenswürdigkeit sein und sollten möglichst Fremdsprachenkenntnisse haben; ihre Abstammung war ohne Belang und sie erlernten ihr Metier während einer Lehrzeit. Aus ihren Kenntnissen ging die nach ihnen benannte Wappenkunde (s. Heraldik) hervor. Sie führten ein Register über die adeligen Wappen (s. Wappenbuch) und erstellten Genealogien adeliger Familien. Im Kriegsdienst genossen die unbewaffneten Herolde Immunität; sie verrichteten Dienste als Ausrufer im Heerlager, als Boten und Unterhändler. Wenn vor Gefechtsbeginn Knappen noch zu Rittern geschlagen wurden, nahm der Herold an der Zermonie teil. Er nahm bei bevorstehendem Kampf auch letztwillige Verfügungen der Ritter zu Protokoll und verwahrte deren Wertsachen. Nach siegreich beendeter Feldschlacht identifizierten sie die gefallenen eigenen und gegnerischen Ritter anhand derer Wappenzeichen. Bei hohen Festlichkeiten riefen sie die Namen der eintretenden Gäste auf und sagten die einzelnen Festabschnitte an. Als Amtstracht trugen sie den ®Tappert (mhd. taphart, daphart; v. mlat. tapardium = Mantelrock; hier: Wappenrock), einen halblangen, weiten, seitlich geschlitzten Überwurf, der mit dem Wappen und den Farben ihres Herrn geschmückt war, sowie einen Heroldsstab. Den Gilden der Herolde (den "Heroldien") stand ein "Wappenkönig" vor. Als Gehilfen der Herolde fungierten gewöhnliche Fußboten (mhd. garzune, v. frz. garçon) und Persevanten (mhd. parzivant, persevant = Unterherold; v. frz. poursuivant = Amtsanwärter; mhd. auch wapenvolger). Besonderes Ansehen genoss der Reichsherold, welcher den Ablauf der Reichstage ordnete.