Honig

Aus Mittelalter-Lexikon
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Honig (mhd. honec, ahd. honag = der Goldfarbene; lat. mel). Bienenhonig war bis ins SMA. das wichtigste Süßungsmittel, wurde zur Herstellung von ®Met, zur ®Konservierung von Nahrungsmitteln und in der Heilkunde als Kräftigungsmittel für Genesende (Lebkuchen) sowie zur Arzneimittelherstellung verwendet. Die Honigernte geschah in der Zeidelwirtschaft am Ende der Winterrast, in der Korbimkerei nach der sommerlichen Heidetracht (s. Imkerei). Honigzehnt war in manchen Gegenden ein wichtiger Teil der Abgaben. Das Produkt wurde als Scheibenhonig (Honig in frischem Wabenwerk [Jungfernbau]), als Seimhonig (gewonnen durch Auslaufen aus den Waben) oder als Presshonig (gewonnen durch Auspressen der Waben in Tüchern) angeboten. Farbe, Konsistenz und Aroma des Bienenhonigs wechseln je nach Art der Tracht. Sein Gehalt an Kohlehydraten (Glukose, Fruktose, Saccharose), Mineralstoffen, Spurenelementen, Vitaminen, Aminosäuren, Acetylcholin und organischen Phosphaten machen ihn zu einem hochwertigen Nahrungs- und Heilmittel. Im MA. fand Honig wegen seiner sekretionsfördernden, reinigenden und entzündungswidrigen (bakteriostatischen) Wirkung bei der Wundbehandlung Verwendung. Seine komplexe Wirksamkeit hinsichtlich Energiehaushalt, Anregung der Herztätigkeit, Entwässerung, Blutdrucksenkung usf. machten ihn zu einem beliebten Heil- und Stärkungsmittel.
Im AT. gehörte Honig zu den Attributen des Himmelsreiches, dem Land, wo Milch und Honig fließen. Die Griechen und Römer hielten Honig für Himmelstau. In der ma. Mystik wird das Wesen Christi und Mariae mit der Süße einer honigtriefenden Bienenwabe verglichen. Der Kirchenlehrer Ambrosius ist einer Legende zufolge als Kleinkind von Bienen mit Nektar genährt worden, worauf die überzeugende Kraft seiner honigsüßen Predigt beruhte; die Legende machte ihn zum Schutzpatron der Imker und brachte ihm einen Bienenkorb als Attribut ein. Seiner ebenso gelehrten wie wohlgesetzten Rede wegen bekam der Kirchenlehrer Bernhard v. Clairvaux von Zeitgenossen den Beinamen Doctor mellifluus (der von Honig überfließende Gelehrte).
Honig war ein Teil der ma. ®Abgaben (Honigzehnt) und eine wertvolle Ware des regionalen und des Fernhandels (Baltikum, Polen, Russland). - Auf Honigdiebstahl und Bienenraub standen schon im FMA. harte Strafen.
In der Volksmedizin war Honig ein vielgebrauchtes Universaal-Hausmittel und wurde eingesetzt gegen Augenkrankheiten und Wundentzündungen, gegen Schwindsucht, Husten, Hautleiden, Mundgeschwüre, Gelbsucht, Durchfall und Verstopfung, als Aphrodisiacum, zur Erleichterung der Geburt und als erste Nahrung Neugeborener.
Im Aberglauben wurde Bienen und ihren Produkten dämonenabwehrende Kraft zugesprochen, mit Honig zubereitetes Backwerk half von daher gegen allerlei durch böse Geister verursachte Übel und Krankheiten.
(s. Biene, Lebkuchen, Pfefferkuchen)