Joculator

Aus Mittelalter-Lexikon
Wechseln zu: Navigation, Suche

Joculator (mlat., = Spaßmacher; mhd. goukelaere, ahd. gougulari; im MHD. wird der überkommene Begriff ersetzt durch spilman, spilwip). Berufsmäßige Possenreißer, Darsteller komischer Szenen. Sie beherrschten die nachahmend-karikierende Tier- und Menschendarstellung ebenso wie monologische Persiflagen zu gängigen weltlichen Themen. (Etwa den Monolog eines Quacksalbers, der mit vielen komischen Effekten prahlerisch über seine abenteuerlichen Reisen und die Wunderkraft seiner Arzneien schwadroniert. Oder Dialoge zu Menschlich-Allzumenschlichem wie Untreue, Betrug, Kuppelei, Diebstahl usf.) Joculatoren traten – zumeist in kleineren Gruppen – auf öffentlichen Plätzen, bei Jahrmärkten und Festen auf und lebten vom Almosen ihrer Zuschauer. Sehr beliebt waren Joculatoren-Wettkämpfe, bei denen sich die Joculatoren gegenseitig in der Darstellung komischer Typen (Betrunkener, Schwachsinniger) zu überbieten suchten. In manchen Szenen trat auch eine Weibsperson als Partner auf, das "spilwip". Joculatoren nahmen gerne aktuelle Geschehnisse zum Gegenstand für ihre Auftritte, die meist possenreißerisch-obszön, seltener anspruchsvoll persiflierend gewesen sein dürften. (Ein Kapitulare von 789 untersagte Schauspielern das Auftreten in Kleidern von Priestern, Mönchen oder Nonnen, woraus auf die Aufführung von Stücken aktuellen Inhalts, von Gesellschaftssatiren zu schließen ist. Im gleichen Kapitulare wird Bischöfen, Äbten und Äbtissinnen verboten, Gaukler zu halten; das Verbot scheint nicht von durchschlagendem Erfolg gewesen sein, werden doch in den folgenden Jh. Geistliche, besonders Bischöfe immer wieder gerügt, weil sie vom Kirchengut Gaukler und Schauspieler entlohnten, statt damit die Armen zu unterstützen.) Die Wirkung ihrer Vorführungen wussten die Joculatoren durch Masken- und Kostümwechsel zu erhöhen. Das Maskenspiel wurde von den sma. "Narren" übernommen.
Es darf angenommen werden, dass Inhalt und Texte der Possen auf den Geschmack des jeweiligen Publikums ausgerichtet waren, dass der Vortrag wenigstens zum Teil aus dem Stegreif erfolgte und dass die Spielleute sich Vortragsstoffe und Pointen ihrer Kollegen aneigneten, was zu Missgunst und Rivalität führen musste.
Vom 13. Jh. an sind schriftliche Aufzeichnungen spielmännischer Werke überliefert. Mit der Verschriftlichung dürften Umfang und Komplexität der Stücke zugenommen haben. - Ebenfalls im 13. Jh. schufen die Jokulatoren aus der höfischen Kinderunterhaltung des ®Marionettenspiels das professionelle Marionettentheater.
(s. Histrio, Kinderspiele, Maske, Mimus, Spielleute)