Liebeszauber

Aus Mittelalter-Lexikon
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Liebeszauber. Seit jeher und in allen Kulturkreisen suchten Menschen, einen sexuell begehrten Partner für sich einzunehmen, Lustbegehr in ihm zu wecken, was von christl. Theologen als „Verführung“ auf die Pfade der Sünde denunziert wurde. Um seinem Liebesdrang zum Erfolg zu verhelfen, kannte man verschiedene Techniken, die von glühenden Blicken (W. v. d. Vogelweide spricht von „Pfeilen des liebenden Auges und seiner heilbringenden Wunderkraft“) über die Werbung mit Worten und Liebesliedern bis hin zu magischen Praktiken (s. Liebestränke, Bildzauber) reichten. Letztere wurden angewendet von der liebessuchenden Person selbst oder von Dritten (Zauberern, Hexen). Über derlei verbotene Zaubermittel erfahren wir aus ma. Bußbüchern und aus Akten von Hexenprozessen. Da es dem ma. Rollenbild der Frau nicht entsprach, offen um einen Partner zu werben, ist es nur folgerichtig, dass Liebeszauber vor allem ein weibliches Mittel war. So erfahren wir bei Burchard von Worms, "wie Frauen sich nackt auf Weizen wälzen, ihn in der Mühle gegen die Sonne mahlen lassen und aus diesem Mehl die Liebesbissen-Brote backen" (Zit. nach M. Vogt-Lüerssen).
Was die von Walter v. d. Vogelweide angesprochenen „Pfeile des liebenden Auges“ anbelangt, so sei auf den unter dem Lemma ®Auge erwähnten Sehstrahl verwiesen, dem besondere Kraft zugemutet wurde.
Weit weniger zahlreich als die Mittel des Liebeszaubers waren diejenigen zu dessen Abwehr und Lösung; zu nennen sind Zaubersprüche, Amulette, Räucherungen oder das Vernichten von Haar oder Nägeln des Verursachers.
(s. Aphrodisiaca, Bußbuch, Hexendelikte)