Mond

Aus Mittelalter-Lexikon
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Mond (mhd. mane, man, mone, mon = Mond, Monat; lat. luna). Die auffälligsten Eigenschaften des Mondes (Mondphasen, Mondflecken, Beeinflussung irdischen Geschehens wie der Gezeiten) wurden im FMA. anhand der überkommenen Werke von Plinius, Martianus Capella und Macrobius erklärt. Der Umfang des Mondes wurde einmal für größer als jener der Erde gehalten (nach Plinius), dann wieder dem der Erde gleichgesetzt (im Lucidarius). Der Bahnradius wurde auf 15.625 Meilen "berechnet" (Honorius Augustodunensis, Hugo Ripelin von Straßburg). Thomas von Chantimpre erklärte die Einflussnahme des Mondes auf die irdische Welt durch dessen große Erdnähe und durch die feucht-kalte Eigenschaft der Mondsubstanz. Die Interpretation der Mondphasen und der Mondfinsternisse war aus der antiken Astronomie bekannt und spielte eine bedeutende Rolle in der Komputistik. Die Aristotelesrezeption führte dazu, dass die Mondmaterie nicht mehr aus den Vier Elementen, sondern aus der Quinta essentia bestehen sollte, und dass die Mondflecken als deren örtliche Verdichtung erklärt wurden.
Der Einfluss der Mondphasen auf die Gezeiten war bekannt, für Menstruation sowie für Förderung und Hemmung medizinischer, botanischer und zoologischer Erscheinungen wurde er nicht bezweifelt. Desgleichen ging man davon aus, dass Geburten durch den zunehmenden Mond erleichtert, durch den abnehmenden erschwert würden, dass "bei Mondzeit" (= während der Menstruation) gezeugte Kinder als Missgeburt ("Mondkalb") zur Welt kämen und dass bestimmte abweichende Verhaltensweisen durch den Mond bedingt seien (Schlafwandeln).
Dem Mond war das Tierkreiszeichen Krebs zugeordnet, die Zahl Sieben, das Metall Silber sowie das Weibliche und Gebärende. Magische Beschwörungen mit dem Ziel des Abnehmens oder Schwindens (etwa eines Leidens) wurden bei abnehmendem, solche mit dem Ziel des Zunehmens (Heilung, Reichtum) bei zunehmendem Mond vollzogen. Neben den Mondphasen war auch der Stand des Mondes im richtigen Tierkreiszeichen zu beachten.
Der ma. Aberglauben kannte viele Auswirkungen der magischen und dämonischen Mondeskraft. Einige Beispiele: mitternächtlicher Mondschein locke Geister zum Totentanz aus ihren Gräbern; Wünschelruten, die bei Vollmond geschnitten waren, galten als die fündigsten; Haare sollte man am dritten Tag nach Neumond schneiden, denn dann wachsen sie am kräftigtsen nach; Gartenarbeit sei bei zunehmendem Mond sei der größte Erfolg beschieden u.v.a.m. Als Beleg für derartige Mondregeln finden sich in ma. Bußbüchern Verbote dafür, sich bei seinen Vorhaben nach den Mondphasen zu richten.
Ma. Theologen haben die Verehrung, die der heidnischen Mondgöttin Selene entgegengeracht worden war, auf die Gottesmutter Maria gelenkt, was in der Ikonographie vielfältigen Ausdruck fand („pulchra ut luna“).
(s. Astrologie, Elemente, Iatromechanik, Monate, Mondsichelmadonna, Sonne und Mond)