Rußbrenner

Aus Mittelalter-Lexikon
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Rußbrenner (ahd., mhd. ruoz = Ruß, Schmutz). Bei unvollständiger Verbrennung oder thermischer Spaltung organischer (kohlenwasserstoffhaltiger) Stoffe entsteht ein tiefschwarzes Pulver, das überwiegend aus mikrokristallinem Kohlenstoff besteht.
Im MA. war Rußgewinnung Sache der Rußbrenner, die in ihren Waldhütten – meist gemeinsam mit ®Teerschwelern und Pechsiedern (s. Pech) – stark qualmendes harzhaltiges Holz und den bei der Herstellung von ®Pech anfallenden Rückstand (Pechkuchen) verbrannten. Der mit dem Rauch entweichende Ruß schlug sich in der Rußkammer des Abzugs nieder, wo er abgeschabt werden konnte. Ruß von feinster Qualität war der sog. "Lampenruß" (auch "Lampenschwarz"), der in der "Rußlampe" mit Hilfe eines dicken Baumwollsdochts aus Ölen, Fetten, Tranen, Pech und Teeröl bei geminderter Luftzufuhr gebrannt wurde. Ruß wurde benötigt zur Herstellung von Lederfarbe, ®Malfarben, ®Druckerschwärze, Tinte und Wagenschmiere. Eine Anleitung zur Rußherstellung findet sich im Codex latinus Monacensis, einer um 1470 im Kloster Tegernsee entstandenen Handschrift.