Pilgerstraßen

Aus Mittelalter-Lexikon
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Pilgerstraßen. Zu den Gnadenstätten der Christenheit zog man auf auf einem System von Pilgerstraßen, wobei die Route sich nach den jeweiligen Zeitumständen richtete und sich im Laufe des MA. vielfach änderte. Pilger folgten nicht nur den den großen Handels-, Heeres- und Geleitstraßen, sondern sie orientierten sich nach besonderen Gnadenkirchen und anhand von Herbergen, Klöstern und Spitälern, in welchen sie Unterkunft, Verpflegung und Krankenfürsorge fanden. Wo irgend möglich, benutzte man Wasserwege auf Binnen- und Küstengewässern. Albert v. Stade in einer Wegbeschreibung für heimreisende Rom-Pilger: "Hast du Basel erreicht, solltest du deinen Füßen Gutes tun: Besteige ein Schiff und fahre rheinabwärts nach Köln." (Zit. N. Ohler)
Die unbewaffneten Pilger standen unter besonderem Rechtsschutz, wodurch Raubüberfälle und Erpressen von widerrechtlichen Wegezöllen jedoch nicht verhindert wurden. Wer dem Gedränge auf den großen Pilgerstraßen während der Hauptreisezeiten im Früh- und Spätsommer ausweichen wollte, benutzte kleinere Neben- und Viehwege. Über Wege, Hospize und heilige Stätten auf dem Weg zum Pilgerziel informierten seit dem HMA. Pilgerführer und Itinerarkarten.
Das Ausbessern und Instandhalten von Pilgerstraßen und das Errichten und Pflegen von Brücken bzw. eine Spende dafür galten als gottgefällige, gnadenträchtige Werke. Für jene, die in diesem Sinne tätig waren, fand der Liber Sancti Jacobi dne froomen Wunsch: "Mögen die Seelen all dieser Männer und ihrer Helfer in ewigem Frieden ruhen." (s. Brücken, Straßen und Wege)
Pilgerstraßen spielten auch eine bedeutende Rolle bei der Ausbreitung von Architektur- und Kunststilen, von Legenden und Tatsachenberichten, aber auch von Krankheiten und Verbrechen. Aus der Vielzahl bedeutender überregionaler Pilgerstraßen seien genannt: die ®"Pilgerstraße nach Rom" und die ®"Pilgerstraßen nach Santiago de Compostela".