Sachsen

Aus Mittelalter-Lexikon
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Sachsen. Angehörige eines um 150 n. Chr. erstamls erwähnten, nach seiner Bewaffnung – dem einschneidigen Kurzschwert Sax (mhd. sahs) – benannten germanischen Volkes, ansässig zwischen unterem Rhein und Elbe.
1.) Altsachsen, Niedersachsen (von Ptolemaios um 150 n. Chr. als Saxones erwähnt). Zu der Gruppe derjenigen germanischen Stämme, die sich gemeinsam als Sachsen begriffen, gehörten die Westsachsen (an Sieg, Ruhr, Lippe und Ems), die Ostfalen (zwischen Weser und Elbe), die Engern (an beiden Ufern der Elbe) und die Nordalbingier (östlich der Unterelbe). Jeder der vier Stämme stand unter einem Herzog; einmal jährlich trat in Marklo an der Weser die aus Vertretern aller Stämme zusammengesetzte Landesversammlung zusammen.
Zu Beginn des MA. beherrschten die sächsischen Stämme, nachdem Teile von ihnen zusammen mit Angeln und Jüten nach England abgewandert waren (5./6. Jh.), ein großes Territorium im Bereich des heutigen NW-Deutschland und der Niederlande (von Ostsee, Eider und Schlei bis zu Ijssel, Niederrhein, Sieg, Diemel, Werra und Saale). Politisch-rechtlich gliederte sich das Sachsenreich in die vier Herrschaften (Teilstämme) der Engern, Westfalen, Ostfalen und Elbsachsen. Ihre Weigerung, sich fränkischer Oberherrschaft zu unterwerfen und den christl. Glauben anzunehmen, nahm Karl d. Gr. zum Anlass für seine von äußerster Härte gekennzeichneten Sachsenfeldzüge (772 - 804). Das Land der Sachsen wurde unterworfen, christianisiert, fränk. Verwaltung unterstellt und durch Kloster-, Pfalzen- und Städtegründungen sowie durch agrarische Siedlungen erschlossen. Als Schlusspunkt der Integration ins Frankenreich gilt die Niederlegung der Lex Saxonum.
Ende des 9. Jh. bekam Sachsen den Rang eines Stammesherzogtums unter der Herrschaft der einheimischen Dynastie der ®Liudolfinger, die nach ihren berühmtesten Vertretern, den Dt. Königen und Röm. Kaisern Otto I. - III., als die der "Ottonen" bezeichnet wird. Zur Zeit ihrer Regentschaft erlebte das Herzogtum wirtschaftl. und kulturellen Aufschwung, wurde ®Magdeburg zum Ausgangspunkt der Missionierung und Kolonisierung im Osten. Diese Entwicklung setzte sich fort, nachdem das Herzogtum den ®Welfen verliehen worden war (1125). Deren mächtigster Vertreter Heinrich XII. d. Löwe, Herzog von Sachsen (1142 - 80) und Bayern (1156 - 80), geriet in Konflikt mit Kaiser Friedrich I.; Heinrich wurde abgesetzt und geächtet, das Herzogtum Sachsen zerschlagen (1180): Westfalen ging an den Erzbischof von Köln, das übrige Sachsen an Bernhard von Askanien (Sohn Albrechts d. Bären). Auch nach seiner Unterwerfung wurde Heinrich nur wieder in seinen Allodialbesitz, die Erbländer um Braunschweig und Lüneburg, eingesetzt (1181). Das neue Herzogtum Sachsen kam aufgrund seiner Bodenschätze und durch die Wirtschaftskraft seiner Städte zu Bedeutung. 1356 wurden die Herzöge von Sachsen in den Stand von Kurfürsten erhoben. Nach dem Aussterben der ®Askanier kam das Land an die ®Wettiner (1422).
2.) Obersachsen. Neustamm aus Baiern, Oberpfälzern, Thüringern, Mainfranken und Niederdeutschen, die um 1100 im Verlauf der Ostkolonisation in das Land zwischen mittlerer Elbe, Erzgebirge und Sächs. Saale eingewandert waren. Unter Assimilierung ansässiger slaw. Stämme verschmolzen sie zu einem neuen Stamm, dem der Obersachsen.