Schwefel

Aus Mittelalter-Lexikon
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Schwefel (mhd, swebel, swevel = soviel wie „erstickender oder glänzender Stoff“; lat. sulfur). Das Element ist schon seit uralten Zeiten bekannt; so werden gemäß Moses 1 (Genesis) die sündhaften Städte Sodom und Gomorrha durch Feuer und Schwefel ausgelöscht. Seit etwa 5.000 v.u.Z. wurden in Ägypten Textilien mit Schwefel gebleicht. Im antiken Griechenland war das gelbe Pulver als Arzneimittel geschätzt, Homer erwähnt Schwefel als Vorbeugemittel gegen die Pest.. Griechen und Römer konservierten ihren Wein mit dem "fäulnisverhindernden Schwefel" und benutzten ihn zur Herstellung von Brandwaffen.
Schwefel liegt zumeist in elementarer Form in mächtigen Lagerschichten vor. Im MA. wurde oberflächlicher Schwefelabbau zunächst in Apulien und in der Toskana betrieben, seit dem 14. Jh. auch in Tirol, Sachsen, Böhmen, Polen und Ungarn. Die schwefelhaltigen Erze, Kiese und Erden wurden in Meilern ausgeschmolzen, der flüssige Schwefel in Formen gegossen. Alchemisten gewannen Schwefel aus Pyritgestein, indem sie dieses erhitzten und die entweichenden Schwefeldämpfe in eineR Kühlvorrichtung zur Kondensation brachten.
Nach Albertus Magnus setzt sich Schwefel aus drei Grundstoffen zusammen: der erste sei leicht und von der Natur des Feuers, der zweite phlegmatisch und feucht, der dritte sei jenes Prinzip, das alle Materie durchdringt. Die Entstehung von Gold und Silber beschreibt er als eine Art von Verdauungsprozess von Schwefel und Quecksilber. Wie Albert kannte auch Roger Bacon Schwefel als Bestandteil des Schießpulvers.
Schwefel war begehrt von Alchemisten (s. tria principia), Pharmazeuten, Ärzten und Produzenten von ®Schießpulver und ®Griechischem Feuer. In der Medizin fand Schwefel vor allem für Räucherungen Verwendung. Der Volksmedizin galt er als Allheilmittel, gleich wirksam gegen Podagra oder Pestilenz. Schwefelblüte oder roter Schwefel wurde – eingenäht in ein Säckchen – am Körper getragen oder in Salben verarbeitet und sollte gegen Hautkrankheiten wie Gesichtsrose, Blattern und Rotlauf helfen. Dem Vieh verabreichte man Schwefel auch innerlich. In der Wachsherstellung wurde er zum Bleichen verwandt. Die beim Verbrennen von Schwefel unter beißendem Gestank erzeugte Hitze gemahnte den ma. Menschen an die Qualen der Hölle, an die üblen Ausdünstungen von Bösen Geistern oder an den schweflig-feurigen Atem der Drachen.