Seenot

Aus Mittelalter-Lexikon
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Seenot (mhd. schifbreche, schifbrechunge, wazzernot lat. naufragium). Schiffsreisende waren sich im MA. des hohen Risikos bewusst, das ihnen aus vielen unterschiedlichen Ursachen erwuchs. Vor Antritt einer Reise und in Situationen akuter Gefahr bat man daher um Gottes Hilfe und um die Fürsprache der Schutzheiligen, für die man bei glücklicher Rückkunft durch Gebet und Opfergaben dankte. Für Besorgnis bestand aller Grund, denn auf See lauerten ®Piraten, drohte Schiffbruch im Sturm, Auflaufen auf Felsenriffen, Orientierungslosigkeit im Nebel, war mit Durst, Hunger und Krankheit zu rechnen, wenn das Schiff nach einer Havarie fahruntüchtig war oder sich die Reise durch anhaltende Windstille zu lange hinzog. Zudem waren die Reisenden in den anfänglich fast völlig ungedeckten Schiffen der Sonnenglut, Wind und Regen preisgegeben. Auch lebten sie in ständiger abergläubischer Furcht vor Meeresungeheuern, Meerfrauen und bösen Geistern. Sofern ein Beiboot (mhd. schiffelin) mitgeführt wurde, war es zu klein, um im Falle einer Havarie alle Seeleute und Passagiere aufnehmen zu können. War das Schiff auf einen Strand aufgelaufen oder in unmittelbarer Nähe einer Küste gescheitert, so konnten Überlebende und ihre Habe Strandräubern zum Opfer fallen oder den Küstenanwohnern aufgrund des ®Strandrechts verfallen sein. Zur Minderung der Gefahren fuhren Seeschiffe häufig zu mehreren im Geleit. Bis zum Ende des MA. hatten Navigation und Schiffbau wesentliche Fortschritte gemacht, war die Seefahrt von daher sicherer geworden. Im 13. Jh. kam – von ital. Hafenstädten ausgehend – der Brauch auf, dass sich Seekaufleute durch eine Art ®Versicherungen auf Gegenseitigkeit gegen das Risiko eines Schiffs- oder Ladungsverlustes zusammentaten.
Als Schutzpatrone der Schiffsbesatzngen, Seereisenden und Fischer wurden verehrt und um Beistand angefleht vor allem die Heiligen Simon Petrus, Andreas, Erasmus und Nikolaus von Myra.
(s. Bodmerei, Haverei, Partenreederei, Seewurf)