Wanderhandwerker

Aus Mittelalter-Lexikon
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Wanderhandwerker. Im FMA. holten in den Ländern nördlich der Alpen die Bauherren (Grafen, Herzöge, Äbte, Bischöfe) mangels ortsansässicher Fachleute versiertes Baupersonal von weither auf ihre Baustellen. Maurer und Steinmetze wurden zumeist in Obertalien, aber auch in Griechenland und Konstantinopel angeworben. Sie kamen in Gruppen ("Baurotten"), unter der Leitung eines Meisters, und wurden an ihrer Arbeitsstelle durch einheimische Hilfskräfte (Mönche, Laienbrüder, Leibeigene) unterstützt. In Trier sollen im Jahre 560 italienische Bauleute beschäftigt worden sein. Glasmacher und Maurer aus Gallien haben im 7. Jh. ihre Fähigkeiten nach England gebracht. Karl d. Gr. hat für den Bau seiner Pfalzkapelle in Aachen Arbeiter "aus allen Teilen des Abendlandes" berufen lassen. Noch von Kaiser Heinrich IV. wird berichtet, dass er die Bauleute für den Dom zu Speyer "... auch aus anderen Reichen ..." hat kommen lassen. Mit den südländischen Handwerkern kam Fachwissen in den Norden, sodass sich dort vom 11. Jh. an eine kompetente Handwerkerschaft - zunächst in den Klöstern - heranbilden konnte, die mit den lombardischen Bautrupps in Konkurrenz trat. Beispielsweise kamen Zisterzienser-Bauleute aus dem Kloster Himmerod an die Dombaustelle nach Trier (um 1210), solche aus dem Kloster Ebrach an den Bamberger Dom (um 1230) und zur Sebalduskirche in Nürnberg (um 1260).
Nicht nur Maurer und Steinmetze verdingten sich an entfernte Arbeitsstellen, dies taten auch Glasmacher und Metallwerker, Mühlenbauer, Bildhauer, Goldschmiede und Bronzegießer. Angehörige geringerer Handwerke gingen nicht auf eine Anwerbung hin auf Wanderschaft, sondern sie zogen auf der Suche nach Beschäftigung und Broterwerb durchs Land.
(s. Gesellenwandern, Glockengießer s. Glocke, Kesselschmied, Scherenschleifer)