Zahlensymbolik

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Zahlensymbolik (der Begriff erscheint erst im frühen 18. Jh. Ma. Ausdrücke für bedeutungstragende Zahlen waren: significationes numerorum, mysteria n., vestigia n., numeri sacrati, signa). Zahlen galten – wie in anderen Religionen so auch im christl. Glauben – als Grundlagen kosmischer Ordnung und Harmonie. Unter Berufung auf das Bibelwort "Doch Du hast alles nach Maß und Zahl und Gewicht geordnet" integrierte das Christentum die pythagoreische Proportionenlehre in die christl. Kosmologie (s. Sphärenharmonie). Generell spielte die Mystik der Zahlen im spekulativen Denken des MA. eine große Rolle – in Bibelexegese und Liturgie, in Musik, Literatur und Spiel (s. Ludus Globi), in Magie, Alchemie und Medizin, in Recht und Volksglauben, und kulminierte in der got. Kathedralkunst, in welcher kaum ein architektonisches Detail aus dem Geflecht komplexer Zahlenbezüge ausgenommen blieb (s. Proportion).
Allgemein galten ungerade Zahlen als männlich, gerade als weiblich. Die den einzelnen Zahlen unterlegten Bedeutungen sind zumeist der christl. Glaubenslehre oder der Naturphilosophie entlehnt oder entspringen mathematischen bzw. methodisch-hermeneutischen Spekulationen.
Eins (unus, unitas) ist die absolute, ungeteilte Einheit (Monade, v. grch. monas = das Einfache). Ohne selbst Zahl zu sein, gehen aus ihr alle anderen Zahlen hervor, wie alle Dinge aus Gott hervorgegangen sind. In der Auslegung der Kirchenväter ist die Eins Symbol der Schöpfung und des Schöpfers. Im irdischen Bereich steht die eins für die absolute Macht des Herrschers, zeichenhaft dargestellt als einfache Linie im Zepter oder Richterstab.
Zwei machen die Zweiheit (Dualität), die Polarität, den Dualismus, der in unzähligen Paarungen und Gegensätzlichkeiten aufscheint (Gott Vater/Gott Sohn, Altes/Neues Testament (Mose/Christus), Adam/Eva, Kain/Abel, Gut/Böse, Himmel/Erde, Oben/Unten, Zeit/Ewigkeit, Tag/Nacht, Sonne/Mond, Seele/Leib, Christus rex et sacerdos, Ecclesia/Synagoge usf.). Als erste gerade, also glatt durch 2 teilbare Zahl, ist sie für Christen mit dem Makel der Unvollkommenheit, der Zwietracht, der Trennung von Seele und Gott, und im Hinblick auf die Paarung der Geschlechter gar mit dem der Unreinheit behaftet. (Generell galten ungerade Zahlen, weil sie unteilbar sind, als vollkommen, gerade Zahlen ihrer Teilbarkeit wegen als unvollkommen.)
Drei war die Zahl der Vollkommenheit, die Zahl der Seele, der Heiligkeit, das Symbol Gottes als Heiliger Dreieinigkeit (Aristoteles: "Drei ist soviel wie alles"). Die Dreizahl (Triade) kommt in vielen bibl. Erzählungen und bei liturg. Handlungen und Gebärden vor. Beispiele bedeutungsvoller Triaden: Vergangenheit/Gegenwart/Zukunft; Kindheit/Erwachsenen-/Greisenalter; tria tempora: ante legem, sub lege, sub gratia; Dreizahl der Erdteile Europa, Asien, Afrika; Dreiheit der Seelenkräfte cor, anima/mens, virtus und der christl. Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe; Dreiteilung der Schöpfung in Himmel/Erde/Unterwelt (coelestia/terrestria/inferna); dreifaches Schriftverständnis: historia, allegoria, tropologia; Dreizahl als Symbol der Vollendung: drei Tage verbrachte Jonas im Bauch des Fisches, drei Tag lang lag Jesus im Grab. Die biblischen Weisen aus dem Morgenland erscheinen zu dritt („Heilige Drei Könige“), im Märchen hat der Teufel drei goldene Haare, gewährt die Fee die Erfüllung dreier Wünsche, im Volksglauben sind „aller guten Dinge drei“ usf.
Vier war die Zahl des Körperlichen und des Irdischen. (4 Elemente, 4 Temperamente, 4 Humores, 4 Qualitäten der Humoralpathologie, 4 Himmelsrichtungen, 4 Mondphasen, 4 Jahreszeiten, 4 Tageszeiten, 4 Lebensalter usf. Nach Vitruv die Zahl des Menschen, der mit ausgestreckten Armen so breit wie hoch ist und – homo quadratus – dem harmonischen und daher idealen Quadrat entspricht.) Die Vier spielte eine bedeutende Rolle in der Historiographie (vier Weltreiche [regna Assyriorum, Persarum, Graecorum, Romanorum]), in der Heilsgeschichte (vier große Propheten, vier Evangelisten, vier Heilstaten Christi, vier Kreuzesarme) und bei der theologischen Allegorese (vier Paradiesesflüsse [Pison, Gichon, Euphrat, Tigris], vier letzte Dinge [Tod, Gericht, Himmel und Hölle], vier Kardinaltugenden [prudentia, justitia, fortitudo, temperantia], vier apokalyptische Reiter usf.). Die ma. Wissenschaft kannte vier Arten der Zustandsänderung irdischer Dinge: Entstehen/Vergehen, Zunahme/Abnahme, Ortswechsel und Qualitätsänderung, vier Elemente (Feuer, Luft, Erde, Wasser), vier Jahreszeiten. Auch die Tatsache, dass sowohl 2 + 2 als auch 2 x 2 vier ergeben, hebt die Zahl von allen anderen ab.
Fünf ist die magische Zahl des Mikrokosmos Mensch (fünf Sinne, fünf Geschmacksarten [sauer, scharf, bitter, salzig, süß], fünf Finger und fünf Zehen; Arme, Beine und Kopf machen zusammen fünf Körperendungen). Die Endpunkte einer menschlichen Gestalt, die mit gespreizten Extremitäten und dem Kopf einen umgeschriebenen Kreis berührt, lassen sich zum Pentagramm verbinden. (Eine Skizze dazu findet sich bei Villard de Honnecourt.) Die belebte Natur war in fünf Arten gegliedert: Vögel, Fische, Pflanzen, Tiere, Menschen. Die fünf Planeten – Venus, Mars, Jupiter, Saturn und Merkur – können als Eckpunkte des magischen Pentagramms dargestellt werden. Die Weisen der Zeit waren auf der Suche nach dem 5. Element, der Quintessenz. Aus gerade und ungerade (4 + 1, 2 + 3) – somit weiblich und männlich – zusammengesetzt, ist Fünf eine zwiespältige Zahl. Unter der vollkommenen Sechs angeordnet ist sie die Zahl der Unvollkommenheit (numerus imperfectus) und ist daher in der Hl. Schrift nur selten vertreten. Sie erscheint im Pentateuch und in den fünf Plagen, in den fünf Broten der ersten Brotvermehrung, in den fünf klugen und fünf törichten Jungfrauen, in den fünf Gaben (Talenten) Gottes und den fünf Wunden Christi.
Sechs galt wegen der Tatsache, dass sie sowohl das Produkt der ersten ganzen Zahlen (1 x 2 x 3 = 6) als auch deren Summe ist (1 + 2 + 3 = 6) als vollkommenste Zahl, als erste der „numeri perfecti“. Sie war die Zahl Christi als der Summe von Gottheit (1) und Welt (5). Christus wurde am 6. Wochentag zur 6. Stunde gekreuzigt. Das Christusmonogramm aus X [chi] und P [rho] war sechsarmig und Sechs war die (ursprüngliche) Zahl der Werke der Barmherzigkeit. 666 dagegen war die Zahl der höchsten Gegenmacht, der Bestie aus der Offenbarung Johanni (13,18). Sechs war auch die Zahl der Schöpfung (sechs Schöpfungstage, Erschaffung des Menschen am sechsten Tag). Die Bergpredigt Jesu nennt sechs Werke der Barmherzigkeit. Das aus zwei gleichseitigen Dreiecken gebildete Hexagramm, das Siegel Salomonis, hatte zauberische Macht. Augustinus schreibt in "De civitate Dei": "Die Schöpfung wurde in sechs Tagen vollendet wegen der Vollkommenheit der Sechszahl, nicht also als hätte Gott eines Zeitraumes bedurft ... sondern weil durch die Sechszahl die Vollkommenheit der Werke angedeutet wird." - Ein Würfel ist durch sechs Flächen begrenzt, im Raume orientiert man sich nach sechs Richtungen: oben/unten, links/rechts/ vorne/hinten.
Sieben als die Summe von drei (Gott) und vier (Welt) wurde als heilige Zahl (numerus Creatoris et creaturae, numerus sacratus) gewertet, Septenare von der scholastischen Theologie in vielen Zusammenhängen bedacht: Bei den sieben Tagen der Schöpfung (sechs Schaffenstagen plus einem Ruhetag) der Schöpfungswoche, den sieben Erzengeln, den sieben Stufen des Salomonischen Tempels, den sieben Armen des Leuchters (Menora), den sieben fetten und sieben dürren Jahren, den sieben Gaben des Hl. Geistes, den sieben Seligkeiten der Bergpredigt, den sieben Bitten des Vaterunsers, den sieben Sakramenten, den sieben Graden der Priesterweihe, den sieben Tugenden und sieben Todsünden sowie den sieben Siegeln der göttlichen Ratschlüsse über die Zukunft, den sieben Häuptern des „Tieres“ und den sieben Posaunen der Apokalypse des Johannes. (Seine Offenbarung soll der Verfasser den sieben kleinasiatischen Gemeinden - Ephesus, Smyrna, Pergamus, Thyatira, Sardes, Philadelphia und Laodikaia - verkünden. Dieser Auftrag erschließt sich ihm aus der Erscheinung des Auferstandenen mit sieben Sternen in der Hand, umgeben von sieben Leuchtern.) Im profanen Bereich kannte man sieben Himmelssphären, sieben „babylonische Planeten“ (Jupiter, Merkur, Saturn, Sol, Venus, Mars, Luna), sieben Wochentage, sieben Artes liberales, sieben „Werke“ der Alchemie, sieben Stufen der Tonleiter usf. Auch in der Volksmedizin spielte die Sieben eine Rolle; so entschied sich am siebenten Tag, ob eine fiebrige Erkrankung in Heilung oder Sterben enden würde. Märchen handeln von sieben Zwergen, die hinter sieben Bergen hausen, von sieben Geißlein, sieben Raben, sieben Schwaben und dem Schneiderlein, das Siebene auf einen Streich erschlug. - In der Sphärenmusik galt die Septime als Teufelston.
Acht weist um eins über die Zahl der Schöpfungstage hinaus, weist auf die mit der Auferstehung Christi begonnene neue Zeit hin, in die jeder Täufling aufgenommen wird. Taufbecken hatten daher ihren oktogonalen Grundriss, ebenso Taufkirchen und die Vierungstürme der Romanik. Auch an vielen Kirchtürmen der Gotik geht der quadratische Grundriss der Untergeschosse an den Obergeschossen in ein Oktogon über. Im NT ist die Acht belegt durch die acht Seligpreisungen der Bergpredigt und durch die Erscheinung Christi vor Thomas am achten Tag nach Ostern. Der Gregorianische Gesang basiert auf acht Tönen, der monastische Tag ist in achtmal drei Stnden gegliedert. In der Geometrie verkörperte die Acht die Mitte zwischen Quadrat und Kreis, ins Religiöse übersetzt beschreibt sie die Verschmelzung der irdischen Vierzahl (für welche das Quadrat steht) mit der Unendlichkeit der himmlischen Sphäre (Kreis), verbindet Gott und Mensch, irdisches und ewiges Leben. Von daher steht sie für eschatologische Dinge: für Auferstehung, Zeit der Gnade des Neuen Testaments und ewige Seligkeit. Acht ist die Zahl des Neubeginns der Woche und der Tonreihe (Oktav). Am achten Lebenstag wurde im Judentum die Beschneidung vorgenommen.
Neun war die Zahl der drei mal drei Chöre der Engelshierarchie (novem ordines angelorum), durch neun Planetensphären gelangte man zum Reich der Erlösung (Empyreum). Stand neun als 3 x 3 in besonderer Beziehung zur Dreieinigkeit, so verwies 9 x 9 auf die Ewigkeit. Die neunte Stunde war Christi Todesstunde, von woher die Neun als Zahl der Passion und der Erlösung galt. Im kirchlichen Leben kannte man neun Ämter (laici, ostiarii, lectores, exorcistae, acolythi, subdiaconi, diaconi, presbyteri, episcopi) und die Non als Gebetszeit zum Gedenken an Christi Sterben. Neun Punkte, angeordnet in einem Quadrat von drei Reihen und drei Spalten, ergeben in allen Richtungen - senkrecht, waagrecht, diagonal - die gleiche Summe drei.
Zehn war die Zahl der Ordnung, der Vollkommenheit: sie endete die Reihe der einstelligen Zahlen, heiligte die Fünfzahl des menschl. Mikrokosmos durch Verdoppelung (lat. V + V = X; das grch. X [chi] als Teil des Christusmonogramms XP [chi-rho] galt als Machtsymbol). In der Zehn verbindet sich die Dreizahl Gottes mit der Siebenzahl des Menschen (der aus vier leiblichen Elementen und drei Seelenkräften besteht). Der mosaische Dekalog (decem verba legis) umfasst die zehn Gebote Gottes, die Harfe Davids hatte zehn Saiten. (Von den Zehn Geboten bezogen sich drei auf Gott, und sieben auf die Mitmenschen.) An den zehn Fingern wurde das primitive Rechnen demonstriert. Mose weilte nach seinem Sieg über die Äthiopier zehn Jahre in deren Land, den Ägyptern schickte Gott zehn Plagen, David begleitete auf einer zehnsaitigen Harfe die Musik der zehn himmlischen Sphären, das apokalyptische Tier der babylonischen Reiterin hatte zehn Hörner. Durch Verzehnfachung der Symbolzahl Vier gelangte man zu 40, der Zahl der Prüfung und Versuchung. Fünfzig bedeutete Freude, Hundert stand für Fülle und Reichtum im Geiste, Tausend für die Ewigkeit. - Die zehn menschlichen Finger wurden in vielen Kulturen zum Rechnen benutzt. Als Summe der ersten vier Zahlen (1+2+3+4 = 10) galt die Zehn bei den Pythgoräern als "Schlüssel für das Verstämdmis von Universum, Himmel und Ewigkeit" (Zit. J. Martineau). Die Zehn lässt sich als Summe aller einstelligen Zahlen bilden (1+9, 2+8, 3+7, 4+6, 5+5).
Elf von mhd. ellf, ahd. einlif = Zahl, die sich ergibt, wenn man bis 10 gezählt hat und noch 1 übrig bleibt. Die vollkommene Zehn überschreitend und die Zwölf der Apostel nicht erreichend, war eine Negativzahl, sie stand für Sünde und Verrat (elf war die Anzahl der Jünger nach dem Verrat des Judas und vor der Wahl des Matthias).
Zwölf war – als Nachklang des in der Antike weitverbreiteten Duodezimalsystems – die wichtigste aller Zahlen. Schon die vielfältigen Möglichkeiten ihrer Bildung und Teilbarkeit gaben Anlass für diffizile Spekulationen. Im Alten wie im Neuen Testament findet sich die Zwölfzahl, von den zwölf kleinen Propheten, den zwölf Stämmen Israels und den zwölf Toren des himmlischen Jerusalem, auf welchen zwölf Engel als Sinnbilder der zwölf Geschlechter Israels stehen, bis zu den zwölf Aposteln Jesu. Als Produkt aus Drei und Vier steht die Zwölf für den Auftrag der Apostel, den Glauben an den Dreieinigen Gott in die vier Windrichtungen der Welt zu verbreiten. Auf 12 x 12.000 (= 144.000) wurde die Zahl der Auserwählten berechnet (Apoc. 7,4-8). Das Apostolische Glaubensbekenntnis ist in 12 Artikel gegliedert. Im christl. Jahreskreis sind die zwölf Nächte zwischen der Geburt Christi und dem Dreikönigstag von besonderer Bedeutung. Auch im profanen Bereich wurde die Zwölf zu einer prominenten Zahl: je zwölf Stunden haben Tag und Nacht, zwölf Monate (Vollmonde) hat das Jahr und in zwölf Häuser unterteilten die Astrologen den Tierkreis.
Dreizehn, die Zahl, welche die harmonische, segenbringende Zwölf um eines überschreitet, galt als Unglückszahl („Dutzend des Teufels“). Beim Letzten Abendmahl saßen 13 Menschen beisammen, von denen einer zum Tod bestimmt und deren 13. der Verräter Judas war.
Die Reihe bedeutungsvoller Zahlen ließe sich fortsetzen, jedoch geht der Sinngehalt der meisten der höheren Zahlen auf den der oben aufgeführten zurück. So galt z.B. 1.000 – die Kubikzahl der vollkommenen Zehn – als Zahl der Fülle und Vollendung.
Vierzehn bedeutsam als Verdoppelung der heiligen Zahl Sieben und als Anzahl der Hl. Nothelfer.
Sechzehn symbolisierte die Summe der vier großen und zwölf kleinen Propheten, außerdem galt die Zahl als bedeutsam, da sie die Verdoppelung der Acht versinnbildlicht.
Achtundzwanzig ist die zweite der Vollkommenen Zahlen (1 + 2 + 4 + 7 + 14), auch sie durch den göttlichen Baumeister ausgewählt als Zahl der Umlauftage des Mondes.
Vierzig galt als Symbol der Prüfung: Vierzig Jahre währten die Wüstenwanderung und die Sintflut, vierzig Tage weilte Moses auf dem Sinai, fastete Jesus nach der Taufe und erschien er nach seiner Auferstehung. Vierzig Tage dauerte die Unreinheit einer Mutter, die einen Knaben gebar.
Sechshundertsechsundsechzig, 666 ist gemäß der Offenbarung Johanni (13,18)die Zahl des schrecklichen und todbringenden apokalyptischen Tieres sowie des Antichristen, aus dessen Namen sie hervorgeht ("Hier ist die Weisheit. Wer Verständnis hat, berechne die Zahl des Tieres! Denn es ist eines Menschen Zahl; und seine Zahl ist 666.") - Im AT. wird die Zahl der Verfehlungen Salomos gegen Gottes Gebote mit 666 angegeben(1 Kön 11,1-13). Zur Verteufelung des Papstes las die antipäpstliche Propaganda des MA. die ominöse 666 aus der Summe der auch als röm. Zahlzeichen lesbaren Buchstaben in der Wortfolge "VICARIVS FILII DEI" (Stellvertreter des Sohnes Gottes) summierte: V+I+C+I+V+D+I+I+L+I+I (1x500+1x100+1x50+1x10+6x1).
Für ma. Gelehrte gehörten Zahlenlehre und -allegorese – aufbauend auf Boethius, Ambrosius, Augustinus und Gregor d. Gr. – zu den zentralen Themen. Stellvertretend für viele, die sich dazu geäußert haben, seien die Folgenden genannt: Alkuin, Beda Venerabilis, Bernhard von Clairvaux, Hinkmar von Reims, Hugo von St. Victor, Isidor v. Sevilla, Hrabanus Maurus und Rupert von Deutz. An den geistlichen Schulen des MA. wurde die Lehre von den tieferen Bedeutungen der Zahlen im Zusammenhang mit dem Rechenunterricht gelehrt.
(s. Tagwählerei, Zahlensymbolik im Recht, Zahlensymbolik in der Medizin)