Maßwerk

Aus Mittelalter-Lexikon
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Maßwerk (als Begriff für gotische Bauornamentik von Heinrich Otte 1862 eingeführt). Die Bezeichnung kommt von messen und besagt, dass die so benannten Bauornamente mit dem Zirkel konstruiert wurden. Der ursprüngliche Zweck des Maßwerks war die dekorative Ausfüllung des Bogenfeldes, das entstand, wo zwei spitzbogige Fenster unter einem gemeinsamen Spitzbogen zusammengefasst wurden. Die für die Gotik charakteristische filigrane Dekorationsform findet sich außer in den Bogenfeldern der Fenster an Fensterrosen, Geländer- oder Brüstungsfüllungen, an Turmhelmen, Wimpergen oder Giebelfeldern, an Flügelaltären oder Baldachinen, an Kanzeln, Chorgestühl und profanen Möbeln. Die geometrischen Figuren sind aus Kreisen oder Kreissegmenten gebildet, die wieder mit ähnlichen, aus je drei, vier oder mehr Teilen zusammengesetzten Rosetten (Drei-, Vierpässe usw.) gefüllt sind. In der Spätgotik kam das Fischblasenmaßwerk auf, bei dem anstelle der Kreisform tropfen- oder feuerzungenförmige Grundformen auftreten. Das Profil der Maßwerksbalken war zunächst rund, später birnstabförmig. Die sich während der Zeit von der Frühgotik bis zur Spätgotik ständig ändernden Formen und Profilierungen des Maßwerks stellen für Kunsthistoriker wertvolle Datierungshilfen dar.
(s. Fensterrose, Fischblasenmuster, flamboyant, Pass, Radfenster, Rosette)