Staat

Aus Mittelalter-Lexikon
Wechseln zu: Navigation, Suche

Staat (mhd. stat = Stand, Zustand; v. lat. status = Stand, Rang). Ein Wort mit dem heutigen Begriffsinhalt war im MA. nicht bekannt. Politische Verbände wurden mit allgemeinen Begriffen wie respublica, civitas oder communitas umschrieben, auch als natio (zunge; lingua), Land (lant; terra, territorium, provincia) bezeichnet oder mit spezifischen Reichstiteln wie imperium oder regnum benannt. Untergliederungen waren principatus, ducatus und comitatus. Der Begriff "Staat" heutigen Verständnisses bildete sich erst in der Neuzeit nach frz. Vorbild, als sich Nationalterritorien, Nationalgefühl und Zentralgewalt samt funktionierendem Verwaltungsapparat konstituierten.
Während des MA. galt die Vorstellung von einem von Gottes Gnaden gesetzten Herrscher (s. Kaiser, König), dem der Schutz der Kirche, seiner Untertanen und aller Christen aufgetragen war. Der mit dem Machtanspruch der Monarchen konkurrierende Primatgedanke der Päpste (s. Zwei-Schwerter-Theorie) führte im Deutschen Reich nach einer Reihe von Konflikten zum ®Investiturstreit, und in dessen Gefolge zu wachsender Unabhängigkeit der Kirche vom Kaisertum. Im SMA. kam der Gedanke einer Trennung von Sakralem und Profanem auf. Aus den ®Hoftagen entwickelte sich Ende des 15. Jh. der ®Reichstag, eine beratende Körperschaft, die als Vorläuferin späterer Parlamente – nach engl. und frz. Muster – angesehen werden kann.
(s. Landesherrschaft, Nationalgedanke, Territorium)