Stadtentwicklung

Aus Mittelalter-Lexikon
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Stadtentwicklung. Nach dem Abzug der röm. Truppen und Siedler im 5. Jh. erlebten die Städte der ehemaligen Besatzungsmacht zwar einen Niedergang als Verwaltungszentren und Handelsstätten, behielten jedoch ihre Siedlungskontinuität bei. Feste Städte aus der Römerzeit waren Trier, Köln, Mainz, Metz, Worms, Straßburg, Augsburg, Regensburg und Passau. Sie waren an Wasserwegen und überregionalen Landstraßen gelegen und weitgehend aus Stein erbaut. Hier hatte die Kirche ihre befestigten Bischofssitze, regierten Bischöfe oder Grafen als Stadtherren, fand im FMA. eine Wiederbelebung von Handel, Handwerk und urbanem Leben statt. Auch nahe neugegründeten geistlichen Stiftungen ging im FMA. aus Hofgütern und Handwerkersiedlungen häufig eine Stadt hervor (so z.B. im Falle von Hildesheim, Bamberg, Hamburg, Magdeburg).
Zur Sicherung der Handelswege und Heeresstraßen wurden im FMA. Wehrbauten und befestigte Pfalzen angelegt, in deren Nachbarschaft sich Kaufmannssiedlungen einrichteten. So erbaute Karl d. Gr. zum Schutz der Elbübergänge die Burgen Bardowick, Jeetzel und Magdeburg. Weitere karolingische Hofburgen entstanden in Erfurt, Hallstadt am Main, Forchheim a.d. Regnitz und Lorch a.d. Donau. In den Gebieten des neu eroberten Nordostens wurden entlang der Heerstraßen (s. Hellweg) zahlreiche befestigte Stützpunkte angelegt, wobei z.T. altsächsische Herrenhöfe ausgebaut wurden. In deren Nähe, wie auch bei manchen der im 8./9. Jh. in Sachsen gegründeten Klöster, entstanden noch zur Karolingerzeit Kaufmannssiedlungen, z.B. in Corvey, Hameln und Gandersheim. Karolingische Gründungen im Sachsenland – wo es vorher keine Städte gegeben hatte – waren Osnabrück, Minden, Hildesheim, Halberstadt, Verden, sämtlich Bistumsgründungen an alten Fernhandelsstraßen.
In den Regionen an Nord- und Ostsee waren im FMA. offene Handelsniederlassungen und Marktsiedlungen von Wikingern und Friesen (s. Wik) entstanden, die nicht in röm. Städte-Tradition standen. Sie wurden schon im 9. Jh. mit Mauergürteln umgeben.
Vom 10. Jh. bis zum Ende des 14. Jh. kam es (mit einer deutlichen Massierung um 1300) durch das Wiederaufleben von Handel und Gewerbe zu vielen Neugründungen von Städten und ®Doppelstädten; diese lagen vorzugsweise an alten Marktorten, an Flussübergängen oder Wegekreuzungen, in der Nähe von Königspfalzen, Klöstern oder Burgen. (s. Stadtgründung) Durch die ®Ostkolonisation im 12. und 13. Jh. kam es zu vielen planvollen Stadtgründungen im Neusiedelgebiet östl. von Saale und Elbe. Die Städte dienten in erster Linie der Territorialsicherung und wurden vornehmlich in geschützter Lage erbaut: auf natürlichen und künstlichen Inseln, an Sümpfen, im Schutz von Wasserläufen und Burgen. (Beispiele: Kiel, Plön, Rendsburg, Güstrow, Malchow, Stralsund, Kolberg, Brandenburg, Soldin, Küstrin, Jüterbog.) Wo die natürlichen Gegebenheiten nicht genügenden Schutz gegen Überfälle boten, wurden Befestigungsanlagen aus Wällen und Holzpalisaden, später aus Steinmauern mit Toren und Wehrtürmen errichtet. Innerhalb des Mauerrings blieb genügend Freiraum, um Platz für Flüchtlinge samt ihrem Vieh und für notwendig werdende Neubauten zur Verfügung zu haben. Infolge des Anwachsens der Stadtbevölkerung musste der Mauerring immer wieder erweitert werden, wurden Vorstädte (s.Suburbium) miteinbezogen, hat sich die äußere Gestalt der Stadt immer wieder geändert.
In der Zeit zwischen etwa 1320 und 1500 entstand ein dichtes Netz von Zwerg-, Klein- oder Minderstädten (mit Einwohnerzahlen zwischen 200 und 2.000), womit die ma. Stadtgründungsperiode im wesentlichen abgeschlossen war. Am Ende des MA. rechnet man mit 3.000 bis 3.500 deutschen Städten, in denen ca. 20% der Gesamtbevölkerung lebten. Sie lagen im Norden und Osten ca. 7 – 8 Wegstunden, im Süden und Westen ca. 4 – 5 Wegstunden voneinander entfernt. Erwa 90% der Städter lebten in Kleinst- und Kleinstädten, der Rest verteilte sich auf Mittelstädte (mit bis zu 10.000 Einwohnern) und Großstädte (deren Größte mit ca. 25.000 bzw. 50.000 Einwohnern Nürnberg und Köln waren).
Die Herrschaft in den Städten übten anfänglich Vertreter des jeweiligen Stadtherren (König, Fürst oder Bischof) aus. Im 12. und 13. Jh. gingen die Machtbefugnisse zunehmend an städt. Gremien über, die vom städt. Patriziat, im weiteren Verlauf auch vom arrivierten Bürgertum gestellt wurden.
Bei der Namensgebung überwog noch im 11. Jh. der Wortteil -burg, der vom 12. Jh. an von -stat verdrängt wurde.
(s. Stadtgründung)