Stilepochen mittelalterlicher Kunst

Aus Mittelalter-Lexikon
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Stilepochen mittelalterlicher Kunst (Stil = Kanon von Eigenschaften, die der Mehrzahl der Werke einer Epoche gemeinsam sind). Die Kunst des medium aevom christianum beginnt – gemäß des hier zugrundegelegten Zeitrahmens – mit der Karolingischen Renaissance des 8./9. Jh. und knüpft an imperiale Vorbilder aus Rom und Byzanz an. Soweit die ®karolingische Architektur in Stein ausgeführt wird, kommen antike und byzant. Bauformen zur Verwendung. Die ®karolingische Malerei entfernte sich bis zum Ende der Epoche von der Imitation "antiker" Werke und kam zu neuen Stilmitteln: anstelle der antiken Raumdarstellung trat ornamental-graphische Schematitisierung ("Einebnung"), Bildkomposition und Hintergrund wurden auf die Steigerung der Bildaussage angelegt, die Linienführung wurde vereinfacht und gekräftigt.
Die neuen Lösungen markieren den Beginn der romanischen Stilepoche (Romanik, in Deutschland etwa von 900 bis 1250), die in eine vorromanische (oder ottonische; 900 - 1024), eine frühromanische (oder salische; 1024 - 1100), eine hochromanische (staufische; 1100 -1180) und eine spätromanische (spätstaufische; bis 1250) Periode gegliedert werden kann. Die ®romanische Architektur ist gekennzeichnet durch Bauelemente des antiken Roms (s. Gewölbe) und vielgliedrige, aus kubischen und zylindrischen Gebäudeteilen zusammengesetzte Baukörper (additives Bauprinzip). In Malerei und Plastik wird Typisierung, nicht individuelle Charakterisierung angestrebt. Die ®romanische Malerei beschränkt sich auf Wand- und Buchmalerei, die ®romanische Plastik bringt neben der Kleinplastik auch Werke der Großplastik hervor, neben dem Relief erscheinen halbplastische Säulenfiguren.
Die Gotik verbreitete sich um 1250 von Frankreich her in Deutschland. Sie stellt den ersten selbständigen Stil des Abendlandes nach der Antike dar, und beherrschte die Baukunst in Deutschland bis zum Ende des MA., während in Italien schon in der ersten Hälfte des 15. Jh. die Renaissance geboren wurde. Die ®gotische Architektur wird geprägt von den hochaufragenden, vertikal betonten Skelettbauten der Kathedralen. Die ®gotische Malerei entdeckt ®Perspektive und Naturdarstellung (Verismus), ®Tafelmalerei, ®Ölmalerei und – gegen Ende des MA. – die Malerei auf Leinwand sowie die Druckgraphik. Die ®gotische Wandmalerei tritt hinter die ®gotische Glasmalerei zurück. In der ®gotischen Plastik werden neben Reliefs vollplastische Figuren geschaffen, deren Typus von Vergeistigung und Idealisierung sich zu ausdrucksstarkem, bewegtem Naturalismus wandelt.